Renato Lionzo: «Hätte ich den SCZ verlassen, wäre ich wohl beim FC Männedorf gelandet»

Ein Interview mit dem langjährigen «Eis»-Flügelspieler Renato Lionzo, der neuerdings auch als Aussenverteidiger eingesetzt wird.

Mit Renato Lionzo sprach Tomas Hermida

Renato, in einer Woche beginnt die neue Saison. Wie viele Punkte habt ihr nach fünf Spieltagen auf dem Konto und auf welchem Rang steht die 1. Mannschaft des SC Zollikon im Juni 2019?

Ich hoffe, dass wir dieses Jahr den Saisonstart nicht verschlafen. Ich tippe auf elf Punkte aus den ersten fünf Spielen und am Ende der Saison stehen wir auf Platz 1, 2 oder 3.

In der Saisonvorbereitung wurdest Du neuerdings auch als Aussenverteidiger eingesetzt und hast hervorragend gespielt. Welchem Rechtsverteidiger hast Du am meisten abgeschaut?

Ich bewundere wie Gianluca Zambrottta und Philipp Lahm auf dieser Position gespielt haben. Aussenverteidiger ist aber meine absolute Hassposition;  ich spiele sie gar nicht gerne.

Ronaldo „El Fenomeno“, Aimar „El Payaso“ oder Messi „La Pulga“. Welchen Spitznamen würdest Du Dir selber geben?

„Der Wadenbeisser“ oder „der Giftzwerg“!

Welche Eigenschaften oder Stärken von anderen „Eis“-Spielern hättest Du gerne?

Die Intelligenz und die Technik von Matteo Felder, die Wendigkeit und Schnelligkeit von Andrea Schärer, den Weitschuss von Marko Dugandzic und die Trainingspräsenz von Carlo Bühlmann (lacht).

Mit welchem Deiner Teamkameraden möchtest Du im Trainingslager auf keinen Fall das Zimmer teilen?

Ich hoffe sie sind mir nicht böse, aber eine Woche mit Santa oder Yves im gleichen Zimmer wäre für mich der blanke Horror!

Mit welcher Traumelf würde der SCZ den Aufstieg in die 2. Liga schaffen?

Da muss ich mich wohl leider als Aussenverteidiger aufstellen, ich will ja gewinnen! Ich würde das 4-2-3-1 System wählen und meine Traumelf sähe so aus, vorausgesetzt alle Spieler sind in absoluter Topform:

Im Tor: Babor
In der Abwehr von rechts nach links: R. Lionzo, S. Oechslin, G. De Nard und S. Martin
Vor der Abwehr: M. Felder und T. Hermida
Im offensiven Mittelfeld: A. Schärer, M. Dugandzic und S. Camichel
In der Sturmspitze: M. Schärer

Wenn Du Deine SCZ-Karriere mit einem Filmtitel beschreiben müsstest; welcher wäre es?

10 Dinge die ich an dir hasse.

Was war Dein schönstes Erlebnis mit dem SCZ?

Das war ganz klar die Zeit bei den A-Junioren! Wir kannten uns alle sehr gut und in den Jahrgängen 1991 bis 1993 hatten wir viele erstklassige Spieler. Die Stimmung innerhalb des Teams war einfach grandios und ich durfte so viele unvergessliche Momente erleben. Wir sind zwei Mal aufgestiegen und haben dann in der Promotion die Klasse gehalten. Auch die Pfingstturniere in Kempten werden mir immer in Erinnerung bleiben. Was wir damals auf und neben dem Platz erreicht haben ist der absolute Wahnsinn; wir alle können sehr stolz auf diese Zeit sein.

Mittlerweile bist Du seit einigen Jahren selbst erfolgreicher Juniorentrainer. Welche drei Junioren sind Dir am besten in Erinnerung geblieben und warum?

Das ist schwierig! Ich mag den Jahrgang 2003 sehr. Jungs, seid mir bitte nicht böse wenn euer Name jetzt nicht erscheint:

Niels Montezin, das kann ich ja jetzt sagen (er hat den Verein leider verlassen und lebt mittlerweile in Kopenhagen) , war mein Lieblingsjunior. Dann gibts noch Ryan Moser: was für eine Maschine! Ich habe keinen Junior gesehen, der so viel arbeitet um stetig besser zu werden. Ich habe ihn damals von den Db-Junioren zu mir ins Da geholt. Seither ist er auf der Überholspur; mach weiter so! Auch Dominik Hug wird mir in Erinnerung bleiben. Leider hat er diesen Sommer den SCZ verlassen. Für mich war er ein extrem wichtiger Spieler, welcher den Unterschied ausmachen konnte. Domo, ich hoffe sehr, dass Du bald wieder zurückkommst. Ich warte 😉

Welche SCZ-Trainer haben denn Dich am meisten geprägt?

Drei Trainer haben mich besonders geprägt. Ferry Hermida, Nicolas Fürrer und Toni „CT“ Incagliato. Von Ferry habe ich sehr viel über den Fussball gelernt; vor allem im taktischen Bereich. Füsi (Nicolas Fürrer) hat mir gezeigt, dass der Fussball oft im Kopf entschieden wird. Er hat mir im mentalen Bereich sehr geholfen. Und CT… ja was soll ich sagen: durch ihn lernte ich, dass ohne Kondition nichts geht. Ich bin aber allen meinen bisherigen Trainern sehr dankbar!

Mätchli 7 gegen 7: alle aktuellen und ehemaligen SCZ-Spieler stehen zur Verfügung und Du bist Wähler. Wen wählst Du zuerst in Dein Team?

Mein inneres Kind sagt: Stefan Rüf!

Mal angenommen, Du hättest mit 18 Jahren den SCZ verlassen müssen. Bei welchem Verein wärst Du dann gelandet?

Ich wäre wahrscheinlich beim FC Männedorf gelandet. Die Fans sind überragend. Siegeswille und Kampfgeist des FC Männedorf haben mich schon immer sehr beeindruckt. Und die Sportanlage Widenbad ist einfach herrlich.

Bevor wir Dir die letzte Frage stellen, möchten wir uns herzlich für das Gespräch bedanken, Renato! Abendessen mit einem Fussballtrainer, einem Fussballspieler, einem Musiker und einem Politiker: wen lädst Du ein?

Jupp Heynckes, Francesco Totti, Eminem und Barack Obama.

Christian Stengele: «Wir werden versuchen, so lange wie möglich vorne mitzuspielen – doch nicht um jeden Preis»

Christian Stengele, Trainer der 1. Mannschaft des Sportclubs Zollikon, spricht im grossen Interview mit www.sczollikon.ch über seine Ziele in der kommenden 3.-Liga-Saison. Zudem erklärt der 31-Jährige, warum er bei seinen Spielern manchmal den Biss vermisst, in welcher Situation er einen Rücktritt erwogen hat und weshalb er einen Vereinswechsel zumindest in absehbarer Zukunft nicht anstrebt.

Mit Christian Stengele sprach Dennis Bühler

Christian Stengele, kommenden Sonntag beginnt mit dem Cup-Erstrundenspiel gegen den FC Wollerau die neue Saison. Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?

Der SC Zollikon spielt seit sieben Jahren in der 3. Liga. Seither konnten wir mehrere Saisons vorne mitspielen. Weil der Verein auch in den kommenden Jahren mindestens in der 3. Liga auflaufen möchte, ist das Heranführen junger Spieler an die 1. Mannschaft meine wichtigste Aufgabe. Ein Generationenwechsel naht – auf ihn gilt es sich vorzubereiten.

Was heisst dies für die kommende Saison?

Wir werden zwar auch in der kommenden Saison versuchen, so lange wie möglich vorne mitzuspielen – doch nicht um jeden Preis. Unsere 3.-Liga-Gruppe ist stark, wir freuen uns auf interessante Spiele wie zum Beispiel das Derby gegen Küsnacht und hoffen auf zahlreiche Unterstützung. Natürlich wäre es schön auch wieder mal im Cup zu überwintern; doch hat dies nicht Priorität.

«Vielleicht hat es mal so eine Saison gebraucht, damit wir wieder hungriger werden»

Wie sind Sie zufrieden mit der vergangenen Saison 2017/18?

Das sehr knappe Verpassen des Aufstiegs zum Ende der vorletzten Saison setzte uns zu, die Enttäuschung war riesig – entsprechend verlief auch die letztjährige Sommervorbereitung. Kurz: Die Luft war draussen. Die Trainingspräsenz war miserabel, und wir verloren unseren Rhythmus. Hinzu kam, dass auch während der Saison immer wieder etliche Leistungsträger fehlten. Dafür konnten sich die jungen Spieler gut entwickeln und kamen regelmässig zum Einsatz. Mein Fazit: Vielleicht hat es mal so eine Saison gebraucht, damit wir wieder hungriger werden.

Immerhin: Im Frühling konnte sich Ihr Team vom 7. auf den 5. Tabellenrang steigern.

Das ist so – die Rückrunde war nicht so schlecht. Allerdings spielten wir auch ohne Druck, da es für uns ohnehin nur noch um die «goldene Ananas» ging… Es wäre toll, wenn wir in diesem Sommer nun schon zum Meisterschaftsbeginn auf Augenhöhe mit den anderen Mannschaften wären.

«Die Mannschaft ist näher zusammengerückt und hat wieder Freude und Biss»

Wie sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?

Wir haben uns entschlossen, keine Trainingspause einzulegen, damit die in der vergangenen Saison erlangte Grundfitness nicht verloren geht. Dies dürfte uns in den kommenden Wochen helfen. Höhepunkt der Vorbereitung war ein Trainingsweekend in Bergün: Am Samstagvormittag wanderten wir an den wunderschönen Palpuognasee und weiter nach Preda, von wo es mit Trottinetts zurück nach Bergün ging. Die Badehosen eingepackt, fuhren wir nach Alvaneu, um uns mit einem warmen Bad zu entspannen. Am Abend fuhren wir zum Abendessen mit dem Sessellift auf den Darlux. Am Sonntag füllten wir die Mägen mit einem feinen Brunch, bevor wir für ein Testspiel nach Celerina aufbrachen. Während der ersten Halbzeit konnten wir gegen den Viertligisten trotz schweren Wanderbeinen gut mithalten, danach verliessen uns die Kräfte. Zum Glück wurden wir nach dem Spiel vom Gastgeber bestens verpflegt, sodass einige Stunden später alle müde und zufrieden und mit schönen Eindrücken wieder in Zollikon angekommen sind. Die Testspiele gegen Drittligist Wollishofen (1:3) und Zweitligist Seefeld (4:4) haben mir gut gefallen. Ich habe das Gefühl, die Mannschaft ist wieder näher zusammengerückt, und ich spüre, dass die Mannschaft wieder Freude und Biss hat. Deshalb freue ich mich auf die neue Saison.

Weil Jure Mioc seine Aktivkarriere beendet hat, müssen Sie den bisher unangefochtenen Abwehrpatron ersetzen – alles andere als eine einfache Aufgabe.

Jure wird uns auf und neben dem Platz fehlen: Er war ein Spieler mit sehr viel Ehrgeiz und Biss – von seiner Art konnten einige Spieler profitieren. Nun können und müssen sie selber Verantwortung übernehmen. Wir haben grosses Glück, dass Tomas Hermida nach einem Jahr als Spielertrainer der 2. Mannschaft zu uns zurückkehrt. Seine Aufgabe ist es nun, unsere Abwehr zu organisieren.

Hermida ist nicht die einzige Verstärkung.

Das stimmt. Unser Kader hat in der Sommerpause an Breite gewonnen: Mit Valentin Kälin und Kevin Rocha sind aus dem «Zwei» zwei talentierte Flügelspieler zu uns gestossen. Zudem trainiert schon seit einigen Monaten Julian Ferchow bei uns mit. Er ist aus Deutschland in die Schweiz gekommen und ist nun spielberechtigt. Julian wird unseren Sturm verstärken. Nicht vergessen sollten wir zudem, dass mit Joel Fuchs ein talentierter Offensivspieler aus einer monatelangen Verletzungspause zurückkehrt: Bei ihm ist es wichtig, dass er langsam aufgebaut wird – erst dann kann er die Mannschaft verstärken. Eventuell wird noch ein Torhüter aus Österreich zum Team stossen.

«Nichts hat mich mehr gefreut als die Fortschritte der A-Junioren Montezin, Glarner und Schmid»

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den A- und B-Junioren vor?

Junge Zolliker Spieler sollen mit der 1. Mannschaft trainieren und möglichst auch in den Spielen eingesetzt werden, das ist mir enorm wichtig. Nichts hat mich in der zurückliegenden Spielzeit mehr gefreut als die Fortschritte der A-Junioren Jesper Montezin, Calvin Glarner und Dimitri Schmid. Mit den neuen Spielern und den aufstrebenden Junioren haben wir eine gute Mischung im Team. Sie bringen frischen Wind in die Mannschaft.

Neu formiert haben Sie in der Sommerpause auch Ihr Trainerteam.

Genau. Lutz Streitenbürger bringt sehr viel Erfahrung mit, die Mannschaft und ich können nur profitieren. Ich freue mich sehr, dass er mit uns die neue Saison bestreitet. Ebenfalls als Co-Trainer agieren wird Yves Rämi, der aber auch noch selbst spielen wird.

Plagen Ihr Team Verletzungssorgen?

Leider ja: Mit Severin Oechslin fällt ein wichtiger Spieler für die gesamte Vorrunde aus. Ich wünsche ihm für seine Oberschenkel-Operation viel Glück und eine gute Genesung.

«Wir haben an Tempo verloren – wir agierten oft zu passiv und mit zu wenig Leidenschaft»

Sie starten nun in Ihre fünfte Saison als «Eis»-Trainer. Wo sehen Sie für Ihr Team noch Entwicklungspotenzial?

Spielerisch gehörten wir in allen vier Saisons zu den stärksten zwei, drei Mannschaften der Liga. In der letzten Saison haben wir allerdings an Tempo verloren – wir agierten oft zu passiv und mit zu wenig Leidenschaft. Wir müssen auch wieder schneller die Räume in der Tiefe suchen.

Wie erklären Sie sich diesen Rückschritt?

Letzte Saison war die Trainingspräsenz mangelhaft. Zudem mussten wir die meisten Trainingseinheiten auf lediglich einer Platzhälfte durchführen, dabei kam das Spiel in die Breite und in die Tiefe zu kurz. Da müssen wir ansetzen.

Sie haben vorhin erwähnt, dass die Mannschaft in der vergangenen Saison den Biss vermissen liess. Weshalb war dies so?

Die Mannschaft hat eine Art Pause gebraucht. Ich glaube, dass uns dieses Jahr gut getan hat: Die Leidenschaft ist in den letzten Wochen zurückgekommen. Viele meiner Spieler sind nun im besten Fussballalter. Wenn sie den Biss und ihre Qualität in die Saison mitbringen, werden wir viel Spass haben.

«Ich war nie der beste Spieler, trotzdem konnte ich in der 1. Liga spielen – mit Willen kann man vieles erreichen»

Wie fest ärgert es Sie, wenn Ihren Spielern der Biss fehlt?

Ich habe der Mannschaft ab und zu schon gesagt, dass ich nie der beste Spieler war. Trotzdem konnte ich mehrere Saisons in der 1. Liga spielen. Mit Willen kann man vieles erreichen und auch gewisse Defizite kompensieren.

Haben Sie sich während der vergangenen, insgesamt missratenen Saison nie überlegt, das Amt niederzulegen?

Ganz ehrlich, zum Beginn der vergangenen Saison war die Situation für mich sehr schwierig. Ich hatte nach dem Fällanden-Spiel kurz solche Gedanken (wegen des 1:2-Gegentreffers in der 94. Minute verlor Stengeles Team am 10. September 2017 sein drittes der ersten vier Saisonspiele, Anmerkung der Redaktion).

Eine 3.-Liga-Mannschaft zu trainieren, ist wenig lukrativ: Sie haben viel zu tun, erhalten dafür aber nur eine bessere Spesenpauschale. Hand aufs Herz: Weshalb tun Sie sich das seit bald einem halben Jahrzehnt an?

Die Mannschaft ist mir sehr ans Herz gewachsen und die Entwicklung der jungen Spieler bereitet mir sehr viel Freude. Fussball ist ein Teil meines Lebens, das ist Leidenschaft und hat mit Geld nichts zu tun. Zudem hat die Mannschaft noch immer sehr viel Potenzial: Die Spieler müssen nur noch etwas mehr an sich glauben. Da ist wirklich Qualität vorhanden, und es macht unheimlich Spass eine solche Mannschaft zu trainieren.

«Egal in welcher Liga, letztlich gilt: Die Aufgabe muss Spass machen»

Dann planen Sie keine Karriere im Regionalfussball?

Ausschliessen will ich das nicht: Mich würde es durchaus reizen, mal ein Zweitligateam zu betreuen – nur schon, weil dort die Strukturen professioneller sind und es sich die Spieler weniger leisten könnten, während der Saison in die Ferien zu verreisen (schmunzelt). Zollikon ist meine erste Trainerstation und ich muss noch ganz viel lernen, um überhaupt jemals eine 2.-Liga-Mannschaft trainieren zu können. Egal in welcher Liga, letztlich gilt: Die Aufgabe muss Spass machen. Ich möchte hinter der Sache stehen können, dann spielt es keine Rolle, ob ich Junioren oder Aktive in der 3. oder 2. Liga trainiere.

Ziehen Sie einen baldigen Vereinswechsel in Betracht?

Nein. Ich weiss, was ich beim Sportclub Zollikon habe: Als ich vor zehn Jahren beim FC Seefeld in der 1. Liga spielte, stellten sich mir jeden Sommer etliche neue Mitspieler vor. Ich schätze sehr, dass es beim SCZ anders zu- und hergeht. Auf dem Riet ist etwas herangewachsen, wir sind eine echte Familie geworden, in der ich mich sehr wohl fühle.


 Zur Person

Christian Stengele ist gebürtiger Zolliker und seit Sommer 2014 Trainer der 1. Mannschaft des Sportclubs Zollikon. Unter seiner Leitung verpasste das Team den Aufstieg in die 2. Liga regional mehrmals nur knapp, in der vergangenen Saison kam es aber nicht an frühere Leistungen heran. Als Spieler war Stengele 2011 vom FC Küsnacht, mit dem er drei Saisons in der 2. Liga interregional gespielt hatte, zum soeben in die 3. Liga aufgestiegenen SCZ gewechselt, der damals noch vom Trainerduo Alain Merkli und Nicolas Fürer betreut wurde. Als junger Erwachsener hatte Stengele vier Spielzeiten mit seinem Ausbildungsverein FC Seefeld in der 1. Liga sowie zwei weitere in der 2. Liga inter absolviert. Der Gärtnermeister ist heute 31-jährig. (dbü)

Christian Stengele: „Die meisten Spieler kommen ins beste Alter“

7 Fragen an… Christian Stengele.

Vor seiner dritten Saison als Trainer der 1. Mannschaft erklärt Christian Stengele, welche Ziele er in der 3. Liga und im Cup verfolgt, was er sich von den Neuzugängen Jure Mioc und Gianluca De Nard erhofft und weshalb er in den ins „Eis“ aufgestiegenen B-Junioren die Zukunft des Vereines sieht.

Christian Stengele, neuer Trainer der 1. MannschaftMit Christian Stengele sprach Dennis Bühler

Seit dem Aufstieg in die 3. Liga im Sommer 2011 vermochte sich die 1. Mannschaft immer unter den ersten vier Mannschaften klassieren, meist mit nur wenigen Punkten Rückstand auf den Tabellenersten. Ist in der kommenden Saison nun die Zeit reif, um erstmals seit 1991 den Aufstieg in die regionale 2. Liga anzupeilen? Oder, anders gefragt: Wie lautet dein Saisonziel in Meisterschaft und Cup?

Trotz des für mich enttäuschenden 4. Platzes in der vergangenen Saison bin ich der Meinung, die Mannschaft habe einen weiteren Schritt vorwärts gemacht. Ich spüre, dass die Mannschaft reifer geworden ist, und bin froh, dass sie mit Jure Mioc und Gianluca De Nard in diesem Sommer zwei sehr motivierte und ehrgeizige Spieler hinzugewonnen hat. Gegen Ende der letzten Saison hatten wir nicht mehr die nötige Kadergrösse, um bis ganz zum Schluss mitzuhalten. Mein Ziel ist es, uns in der Meisterschaft erneut unter den ersten vier Teams zu klassieren und Spiel für Spiel das Beste zu geben. Die meisten Spieler kommen nun in ihr bestes Alter und können ihr Können nun auch an die jüngeren Spieler weitergeben. Der Verein ist auf den eigenen Nachwuchs angewiesen. Daher darf die Integration der jungen Spieler nicht unter dem Erfolgsdruck leiden.

Im Cup sind wir letztes Jahr gegen ein starkes Stäfa, das später dann auch in die 2. Liga aufgestiegen ist, in der ersten Runde ausgeschieden. In dieser Saison sind wir mit dem 2:1-Sieg gegen Croatia in der vergangenen Woche besser gestartet. Schön wäre es, wenn wir im Cup überwintern könnten. Mit dieser Wahnsinnstruppe ist dies absolut machbar.

Zufrieden nach dem ersten Saisonsieg - und müde nach zwei Spielen innert vier Tagen: Die Zolliker Marco Schärer, Christian Stengele und Renato Lionzo im Kreise ihrer MannschaftskollegenAuch wenn die Leistungen der letzten fünf Jahre wie erwähnt insgesamt überaus positiv sind: In den letzten zwei Spielzeiten verpasste das „Eis“ den Aufstieg deutlicher als zuvor – 2015 neun Punkte hinter Brüttisellen-Dietlikon, 2016 nun acht Zähler hinter dem FC Unterstrass. Was hat in der vergangenen Saison zum Exploit gefehlt?

In der letzten Saison trafen wir in einer starken Gruppe auf einige dominante Mannschaften, die schlussendlich den Aufstieg unter sich ausmachten – leider konnten wir nicht bis zum Schluss um den ersten Platz mitkämpfen. Wir mussten uns in den letzten zwei Jahren etwas umorientieren. Plötzlich wurde von der Mannschaft und von den Spielern mehr erwartet: Das Spiel zu machen und sich nicht mehr nur auf das Kontern zu verlassen. Ich hoffe, dass die Mannschaft durch diesen Lernprozess nun gereift ist und konstantere Leistungen abrufen kann.

Stengele_1Du gehst mit dem SCZ nun bereits in deine dritte Saison als Aktivtrainer, bist aber noch keine 30 Jahre alt. Was macht dich als Trainer aus – und in welchen Bereichen siehst du bei dir selbst noch Luft nach oben?

Mein Assistenztrainer Ivo Dugandzic und ich haben das Glück, diese eine spezielle Mannschaft trainieren zu dürfen. In meiner Zeit als Spieler spielte ich zwar lange im gleichen Verein, doch wurde jede halbe Saison die Hälfte der Mannschaft ausgewechselt. Die Zolliker Mannschaft hingegen ist eine grosse Familie – wir Trainer möchten diese einmalige Stärke unbedingt beibehalten. Deshalb versuchen wir einen guten Mittelweg zwischen Erfolg und Spass zu finden. Schon früher war es für mich als Spieler immer sehr wichtig, dass ich im Training Spass hatte und Vollgas geben konnte – jetzt probiere ich dies auch meinen Spielern zu bieten. Ich sehe in allen Bereichen noch Luft nach oben, man lernt von Spiel zu Spiel und von Training zu Training dazu. Ich versuche mein Bestes für die Mannschaft zu geben, um auch das Beste aus dem Team herauszuholen. Als Trainer dieser Mannschaft gibt es auch neben dem Platz unheimlich viele schöne Momente, die genau so viel wert sind wie drei Punkte.

Mit Aussenverteidiger Jakub Vanek sowie Flügelspieler und Stürmer Marco Schärer haben zum Ende der vergangenen Saison zwei Spieler ihre Karriere beendet, die den Aktivmannschaften des SCZ während mehrerer Jahre ein Gesicht gaben. Wie schwer wiegt ihr Verlust?

Marco Schärer und Jakub Vanek haben die Mannschaft durch ihre wunderbare Art auf und neben dem Platz geprägt. Das Schöne an einer funktionierenden Familie ist, dass wir Marco und Jakub nun zwar leider nicht mehr auf dem Fussballplatz haben, sie aber neben dem Platz weiterhin zur Familie gehören.

Trainer Christian Stengele beobachtet das erste Spiel seiner Mannschaft im Jahr 2016.Im Sommer sind zwei Spieler neu zum SCZ gestossen: Jure Mioc und Gianluca De Nard. Was erhoffst du dir vom Innenverteidiger?

Jure ist ein Spieler mit sehr viel Erfahrung und ein ganz guter Typ. Ich erhoffe mir, dass seine Erfahrung und sein Ehrgeiz auf die Mannschaft abfärben und bin überzeugt, dass vor allem unsere jungen Spieler und speziell die in diesem Sommer nachgerückten vier bisherigen B-Junioren sehr von ihm profitieren werden. Jure wird die Mannschaft aus dem Abwehrzentrum unterstützen, vor allem kommunikativ.

Und was soll Mittelfeldspieler Gianluca De Nard dem SCZ bringen, der vom FC Männedorf aufs Riet gewechselt hat?

Gianni wollte ich schon lange zu uns holen – er passt mit seinem Charakter und seiner Spielstärke einfach sehr gut in unser Team. Er wird das Mittelfeld verstärken. Gianni ist ein sehr zuverlässiger Spieler, der äusserst zweikampfstark ist und mit dem Ball am Fuss die Ruhe behält. Er ist ein sehr unangenehmer Gegenspieler. Ich erhoffe mir, dass er sich gut in das Team integriert und seine Qualitäten rasch beweisen kann.

StengeleWas erhoffst du dir von den vier SCZ-Talenten, die auf die kommende Saison hin direkt von den B-Junioren in die 1. Mannschaft aufsteigen?

Wir versuchen, die vier bisherigen B-Junioren Calvin Glarner, Jesper Montezin, Micha Saluz und Dimitri Schmid behutsam aufzubauen und langfristig in das Kader zu integrieren. Der Sprung ist gross, er braucht Zeit und Geduld – doch ich sehe viel Potenzial in diesen Spielern. Sie sind die Zukunft der ersten Mannschaft! Allerdings müssen die Jungen diese auch sein wollen und sich in allen Bereichen verbessern, um später das Niveau der   heutigen Mannschaft zu halten. Was ich mir von ihnen schon kurzfristig erhoffe: Dass sie neues Leben ins Team bringen und die arrivierten Spieler gehörig unter Druck setzen!

De Nard: „Wer aufsteigen will, darf sich keine Aussetzer leisten“

7 Fragen an Gianluca de Nard…

Die ersten drei Meisterschaftsspiele verpasst Gianluca De Nard ferienhalber, danach aber soll er der 1. Mannschaft des SC Zollikon im zentralen Mittelfeld zu mehr Stabilität verhelfen. Der 25-jährige Neuzugang ist zuversichtlich: Er hofft auf den Aufstieg in die 2. Liga.

De Nard 2Mit Gianluca De Nard sprach Dennis Bühler

Gianluca De Nard, du wechselst auf die neue Saison hin vom FC Männedorf zum SC Zollikon. Was hat den Ausschlag für diesen Entscheid gegeben?

Mit dem SC Zollikon stand ich seit langem in Kontakt. Beim FC Seefeld spielte ich einst mit dem heutigen SCZ-Trainer Christian Stengele sowie Marko Dugandzic und Sandro Camichel zusammen, mit Matteo Felder besuchte ich das Gymnasium. Sie versuchten mich in den letzten Jahren immer wieder von einem Wechsel aufs Riet zu überzeugen, genauso wie Flavio Strazzella, der ein guter Freund von mir ist und früher ebenfalls in der 1. Mannschaft des SCZ spielte. Nachdem ich im vergangenen Winter von Egg nach Zürich zog, wurde mir die Anreise zu den Trainingseinheiten des FC Männedorfs zu weit – und die Zeit für meinen Wechsel aufs Riet war reif.

In der vergangenen Saison spieltest du mit Männedorf in der 2.-Liga. Ganz knapp konntet ihr dem Abstieg nicht entrinnen. Der SCZ strebt den Aufstieg in ebendiese regionale 2. Liga an. Was fehlt der Mannschaft deiner Meinung nach noch, um sich diesen seit Jahren gehegten Traum erfüllen zu können?

Ich verfolge die Entwicklung der Zolliker Mannschaft schon einige Zeit und spielte mit dem FC Egg mehrmals gegen sie, deshalb weiss ich: Der SCZ verfügt über sehr viel Potenzial. Das grösste Manko war bisher, dass es dem Team nie gelang während der kompletten Saison an die Leistungsgrenze zu gehen. Es gab stets Zwischentiefs von zwei, drei Spielen, in denen man – oft gegen schlechter klassierte Teams – unnötig Punkte liegen liess. Wer aufsteigen will, muss jedoch in Vor- und Rückrunde vom ersten bis letzten Spiel höchst konzentriert agieren und darf sich keine Aussetzer leisten.

De Nard 1Welches Ziel setzt du dem Team für die kommende Saison?

Der Zolliker Kader ist dank der Verpflichtung von Jure Mioc und den dazu gestossenen vormaligen B-Junioren besser und breiter geworden – es sollte uns nun im Unterschied zur letzten Saison in aller Regel gelingen, verletzte, gesperrte und abwesende Spieler adäquat zu kompensieren. In den Vorbereitungsspielen jedenfalls wussten wir zu überzeugen. Was mir zudem rasch aufgefallen ist: Die Kollegialität innerhalb dieser Mannschaft ist aussergewöhnlich. Viele Spieler unterhalten Freundschaften, die weit über den Fussball hinausgehen. Ein wichtiges Puzzlestein ist schliesslich Trainer Christian Stengele, der menschlich und sportlich perfekt zur Mannschaft passt. Der Spagat, einerseits Leistung einzufordern und andererseits gute Stimmung zuzulassen, gelingt ihm bis anhin sehr gut.

Du bist also zuversichtlich. Welchen Rang traust du dem Team zu?

Mein Minimalziel ist es, dass sich der SCZ wie meist in den letzten Jahren auch in meiner ersten Saison hier unter den ersten drei Teams klassiert. Eigentlich aber will ich bis zur letzten Runde im nächsten Juni um den Aufstieg mitspielen.

De Nard 3Wie glaubst du der Mannschaft helfen zu können, damit sie dieses hohe Ziel erreicht?

Ich verfüge über Erfahrung in der 2. Liga und der 2. Liga interregional und bin überzeugt, der Mannschaft mit meiner Präsenz defensive Stabilität und Sicherheit verleihen zu können. So möchte ich meinen Mitspielern ermöglichen, in der Offensive mutig zu agieren, ohne stets die Angst vor einem Ballverlust im Hinterkopf haben zu müssen. In dieser Beziehung ist aber vor allem der Zuzug von Jure Mioc enorm wichtig. Mit ihm haben wir neuerdings einen unbestrittenen Abwehrchef, der uns lautstark dirigieren wird. Auch wenn er nicht mehr der Schnellste ist (schmunzelt).

Du bist erst 25-jährig, nach Engagements beim FC Egg, dem FC Seefeld und dem FC Männedorf nun aber bereits an vierter Wirkungsstätte in der Region tätig. Müssen wir uns darauf einstellen, dass du den SCZ 2017 nach einem Jahr bereits wieder verlassen wirst?

Ganz und gar nicht. Ich bin Egger und habe fast meine ganze Juniorenzeit dort gespielt. 14-jährig kam ich ins „Eis“ und spielte dann zwei, drei Saisons in der 4. Liga, bevor ich die Gelegenheit erhielt, zum FC Seefeld zu wechseln. Fussballfanatisch, wie ich damals war, nahm ich dieses Angebot gerne wahr. Einige Jahre später wechselte ich zu meinem Heimatverein Egg zurück. Als ich spürte, wie sich dort im Umfeld und bei mir eine gewisse Bequemlichkeit breit machte, suchte ich eine neue Herausforderung, die ich bei Männedorf in der 2. Liga fand – bis mir der Anfahrtsweg zu weit wurde. Der SCZ ist nun mit Sicherheit nicht bloss eine Zwischenstation. Ich kann mir sogar gut vorstellen, in zehn Jahren hier meine Laufbahn zu beenden.

Was möchtest du unbedingt erreichen, bevor du die Fussballschuhe irgendwann an den Nagel hängst oder zu den Senioren wechselst?

Mit dem SCZ sollten wir den Aufstieg in den nächsten ein, zwei oder drei Jahren packen können – das ist ein realistisches Ziel. Und dann müssten wir alles versuchen, um uns in der 2. Liga zu etablieren. Wichtiger als der sportliche Erfolg aber ist es mir, die Freude am Fussball zu behalten.

***

Steckbrief

Name Gianluca De Nard
Spitznamen Gianni
Trikotnummer 19
Geburtsdatum 2. Juni 1991
Nationalität Schweiz / Italien
Beruf Student (angewandte Mathematik
Beim SCZ seit Sommer 2016
Frühere Vereine FC Egg, FC Seefeld, FC Egg, FC Männedorf
Bevorzugte Position zentrales defensives Mittelfeld
Stärke Zweikampf
Schwäche Abschluss
Starker Fuss rechts
Lieblingsfussballer Andrea Pirlo
Lieblingsverein Inter Mailand
Lieblingsessen Pizza
Auf diesem Tabellenrang klassiert sich das Zolliker „Eis“ in der Saison 2016/17 1.

„Es muss eine Aufbruchsstimmung kreiert werden rundum s´Zwei“

7 Fragen an… Ben Crawshaw.
Nach vier Jahren ist genug: Ben Crawshaw hört zum Saisonende als Trainer der in der 4. Liga engagierten 2. Mannschaft auf. Wer ihn ersetzt, ist noch unklar. Im Interview erläutert Crawshaw die Gründe für seinen Rücktritt, blickt zurück auf die Höhepunkte seines insgesamt elfjährigen Schaffens als Junioren- und Aktivtrainer und wagt einen Ausblick in seine Zukunft, in der er dem SCZ unbedingt verbunden bleiben will: nicht zuletzt als für den Verein tätiger FVRZ-Schiedsrichter.

Mit Ben Crawshaw sprach Dennis Bühler

 

Ben, du hast vor einigen Tagen deinen Rücktritt als Trainer der zweiten Mannschaft verkündet. Weshalb hörst du zum Ende der laufenden Saison nach insgesamt elf Jahren als Trainer auf?

Meine Entscheidung hat mehrere Gründe. Der Hauptgrund ist, dass ich keine Kraft mehr habe. Ich will mehr Zeit für mich und mein Umfeld haben. Seit ich das Traineramt übernommen habe, fixierte ich mich so stark auf den Fussball, dass ich anderes vernachlässigt habe. Ich war elf Jahre Trainer, die letzten vier Jahre betreute ich das „Zwei“. Nun ist es an der Zeit, um eine Weiterbildung zu beginnen, um wieder die Schulbank zu drücken. Ich muss an meine Karriere denken, an mein Berufsleben. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung, die die 2. Mannschaft in der jüngsten Vergangenheit genommen hat: Als Trainer ist man immer derjenige, der gibt, und man erhält wenig zurück. Bis vor kurzem machte mir dies wenig aus, denn der ausgezeichnete Teamzusammenhalt war Entschädigung genug. Nun hat dieser Teamspirit aber stark gelitten. Die Spieler haben mich in den letzten Monaten viel Kraft gekostet. Ich musste viel diskutieren, häufig auch streiten, mich ständig erklären. Es ist mir schlicht zu viel geworden.

Wann hat der Negativtrend deines Teams begonnen, und worin siehst du die Gründe?

Ihren Anfang hatte diese Entwicklung bereits vor einiger Zeit, sogar vor dem Aufstieg in die 4. Liga im letzten Juni. Die guten Resultate in der Aufstiegssaison hatten diese schwelenden Konflikte, diese schlechte Stimmung einfach zunächst etwas verdeckt. In der Saison 2010/11 waren wir einzig wegen der immensen Zahl an Strafpunkten nicht aufgestiegen, allein diese Tatsache zeigt schon, dass die Disziplin meiner Spieler oft mangelhaft war. In meiner Mannschaft gab es viele Unruhestifter.

Welche Fehler wirfst du dir selbst vor?

Zum einen habe ich als Trainer zu viel selbst gemacht. Ich habe gar keinen Co-Trainer neben mir geduldet, das war sicherlich ein Fehler. Zum anderen war es mein Fehler, dass ich zu lange die Augen zugedrückt habe. Ich hätte bei Disziplinlosigkeiten härter durchgreifen sollen. Es gelang mir nicht immer, das Mass zu finden zwischen den beiden wichtigsten Dingen: Den Spielern zu ermöglichen, Spass und Freude zu haben, aber auch eine Disziplin auf und neben dem Platz zu garantieren, um überhaupt Fortschritte erzielen zu können. Das gegenwärtige Problem in meiner Mannschaft lässt sich vielleicht so umschreiben: Es gibt zu wenig Spieler, die mithelfen, die etwas für die Gemeinschaft geben – und es gibt zu viele, die nur nehmen.

Was wünschst du deinem Nachfolger (der noch gesucht wird – Interessenten melden sich bitte bei SCZ-Präsident Andreas Roca)?

Den Aufstieg in die 3. Liga. Vor allem aber, dass es ihm gelingt, wieder eine Stimmung hinzukriegen, die Erfolge zulässt. Der Teamgeist muss wieder gefunden werden. Es muss Spielern der 1. Mannschaft wieder Spass bereiten, wenn sie im „Zwei“ aushelfen. Und Spieler der 3. Mannschaft sollten ins „Zwei“ aufsteigen wollen, es sollte ihr Ziel sein, auch beim „Zwei“ mitzuhalten und Teil dieses Teams zu werden. Es muss wieder eine Aufbruchsstimmung kreiert werden rundum die zweite Mannschaft. Mein Nachfolger braucht viel Engagement und Willen, um dies zu schaffen. Unmöglich aber ist es sicherlich nicht. Ich traue meiner Mannschaft zu, dass sie in ein, zwei Jahren den Aufstieg in die 3. Liga schafft. Das Potenzial dazu ist vorhanden. Wenn wieder alle an einem Strick ziehen, wird der Erfolg eintreten.

Du warst während mehr als einem Jahrzehnt Trainer im SCZ. Welches waren aus deiner Sicht die Höhepunkte?

Vom Sportlichen her betrachtet die Aufstiege, ich konnte mit drei Juniorenteams sowie mit der 2. Mannschaft Aufstiege feiern. Wichtiger aber war es mir, zu sehen, wie sich viele meiner Spieler entwickelt haben. Spieler, die ich einst bei den Junioren trainierte, sind heute wichtige Bestandteile der A-Junioren oder der verschiedenen Aktivteams. Solch positive Entwicklungen zu verfolgen bereitet mir viel Freude. Im SCZ habe ich eine Familie und zahlreiche Freunde gefunden. Und als Trainer habe ich enorm viel wertvolle Lebenserfahrung hinzu gewonnen. Ich habe sehr viel von meiner Trainertätigkeit profitiert und Dinge gelernt, die ich auch in meinem Leben abseits des Fussballplatzes nützen kann.

Auch wenn du als Trainer zurücktrittst, bleibst du dem SCZ erhalten. Du wirst nämlich auch in der kommenden Saison als Schiedsrichter Spiele des FVRZ pfeifen. Weshalb macht dir diese Aufgabe mehr Spass, als es das Traineramt in der letzten Zeit vermochte?

Schiedsrichter bin ich noch nicht lange, die Begeisterung für diese Tätigkeit ist jünger. Ich lerne bei jedem Spiel, das ich leite, Neues hinzu. Jedes Spiel ist eine neue, spannende Herausforderung. Es ist aber auch nicht so, dass ich als Trainer überhaupt keine Freude mehr gehabt hätte. Die momentane Situation in der 2. Mannschaft ist einfach schwierig, und sie erfordert, dass ich eine Pause einlege und eine andere Person mit mehr Energie dieses Amt übernimmt. Ich kann mir jedoch absolut vorstellen, in Zukunft wieder mal als Trainer zu beginnen. Wie du richtig erwähnt hast, ist es auch nicht so, dass ich dem SCZ den Rücken kehren würde. Ich habe einige Projekte im Hinterkopf, die ich gerne anstossen würde. So will ich etwa erreichen, dass der Ruf des SCZ bei den Schiedsrichtern besser wird. Ich will die Zolliker Teams für das Schiedsrichterwesen sensibilisieren. Mein Plan ist es, alle SCZ-Teams mindestens einmal im Jahr im Training zu besuchen, um die Spieler auf Regeländerungen hinzuweisen und ihnen klarzumachen, dass der Schiedsrichter nie einfach nur eine Pfeife ist. Letztendlich ist es mein Ziel, das Verständnis zu fördern, und damit indirekt zu erreichen, dass die Schiedsrichter gerne aufs Riet kommen. Ohne schlechte Gefühle und Angst vor unflätigen Sprüchen aus unserer Bierkurve.

Mit welchen Gefühlen hängst du nun deine Trainertätigkeit an den Nagel?

Auf jeden Fall auch mit einem weinenden Auge. Schliesslich hat mir der SCZ wie erwähnt auch viel gegeben. Zum Schluss möchte ich mich bei allen Junioren, die ich je trainiert habe, bedanken. Ich habe an jeden Einzelnen gute Erinnerungen, und auch wenn es nicht immer mit allen einfach war, konnte ich viel profitieren. Bedanken möchte ich mich auch beim Vorstand für das Vertrauen, das mir dessen Mitglieder von Anfang an und stets entgegenbrachten. Auch den Eltern der Junioren, den Zuschauern am Spielfeldrand, ja einfach dem ganzen Umfeld, der bezaubernden SCZ-Familie möchte ich danken. Sie alle haben dafür gesorgt, dass meine Trainertätigkeit zur Leidenschaft geworden ist, dass ich eine unvergessliche Zeit erleben durfte. Nun wird ein Buch zugeschlagen, doch irgendwann wird ein neues Kapitel beginnen. Ich bin ja erst 28-jährig (lacht).

„Wir können jedes Spiel gewinnen – egal mit welchen elf Spielern“

7 Fragen an… Alessandro Felder.
Mit erst 24 Jahren hat Alessandro Felder mit dem Sportclub Zollikon bereits einiges erreicht: Als Captain führte er die 1. Mannschaft vom Tabellenmittelfeld der 4. Liga an die Ranglistenspitze der 3. Liga. Fünf Runden vor Saisonende sind die Chancen intakt, dass der SCZ im kommenden August erstmals seit 22 Jahren Spiele in der regionalen 2. Liga austragen kann.
Im Interview erläutert Felder die Gründe für den Zolliker Aufschwung, formuliert seine Wünsche, falls es tatsächlich mit dem Aufstieg klappen sollte, und zeigt sich ausgesprochen selbstkritisch. Für die Zukunft erwartet er von sich und seinen Mitspielern noch mehr: „Ich finde nicht, dass wir in dieser Saison besonders gut Fussball gespielt haben“, sagt er. „Das können wir eigentlich viel besser.“

Mit Alessandro Felder sprach Dennis Bühler

 

Fünf Spiele vor Saisonende liegt der SCZ an der Tabellenspitze der 3. Liga, der Aufstieg in die 2. Liga regional ist in Griffweite. Du spielst jetzt seit fünf Jahren in der 1. Mannschaft. Hättest du dir, als du von den A-Junioren ins Fanionteam aufgestiegen bist, vorstellen können, mit dem SCZ nach relativ kurzer Zeit solche Höhenflüge zu feiern?

Ich konnte mir den Aufstieg in die 3. Liga vorstellen. Ich kam damals mit drei, vier Gleichaltrigen in die erste Mannschaft und brannte darauf, meine fussballerischen Fähigkeiten auf einem höheren Level unter Beweis zu stellen. Für uns war dieser Aufstieg das grosse Ziel, über alles andere machten wir uns keine Gedanken. Ich hätte damals aber nicht geglaubt, dass ich je mit meinem Team um den Aufstieg in die 2. Liga mitspielen würde. Aber ich geniesse es jetzt, ein Teil dieses Teams zu sein.

Welches sind die Gründe für den Aufschwung, den der SCZ seit rund drei Jahren erlebt?

Für mich ist es hauptsächlich eine Kombination zweier Gründe. Erstens funktioniert das Vereinsleben sehr gut. Es besteht ein guter Austausch zwischen den drei Aktivmannschaften und den ältesten Junioren, viele Aktivspieler und auch A-Junioren sind als Juniorentrainer oder im Vorstand tätig und betreiben einen hohen Aufwand für den SCZ, die Atmosphäre auf dem Riet an den Wochenenden ist familiär und herzlich. Zweitens steht uns mit dem Kunstrasen eine sehr gute Infrastruktur zur Verfügung, die es uns erlaubt, bei jeder Witterung optimal zu trainieren, was für unseren Erfolg ausschlaggebend ist. Diesen Faktoren müssen wir weiterhin Sorge tragen.

Die diesjährige 3.-Liga-Gruppe ist enorm ausgeglichen. Erst mit dem Sieg im Derby gegen den FC Küsnacht vor zehn Tagen hat sich der SCZ den Klassenerhalt definitiv gesichert, auch wenn er realistischerweise schon vorher feststand. Wie schätzt du die Zolliker Leistungen in dieser Saison ein?

Ich schätze die kämpferische Leistung und die Entschlossenheit, mit der wir in die Spiele gehen, sehr, sehr hoch ein. Wir wissen, dass uns auf dem Platz nie etwas geschenkt wird. Zudem haben wir es in der Rückrunde fast immer irgendwie hingekriegt, das eine Tor mehr zu schiessen als der Gegner. Der 4:2-Derbysieg gegen Küsnacht nach einem 0:2-Rückstand zur Halbzeitpause war eine besondere Genugtuung für uns und hat gezeigt, dass wir nie aufgeben. Ich finde aber nicht, dass wir in dieser Saison besonders gut Fussball gespielt haben. Das können wir eigentlich viel besser.

In der Vorrunde gewann der SCZ in elf Spielen 19 Punkte, in der Rückrunde sind es in sechs Spielen bereits 15 Punkte. Wie viele Zähler, glaubst du, müssen in den verbleibenden fünf Runden noch gewonnen werden, damit der SCZ erstmals seit 22 Jahren wieder in der 2. Liga spielt? Und welche Gegner schätzt du im Aufstiegsrennen als besonders gefährlich ein?

Ich interessiere mich nicht dafür, wie viele Punkte wir noch für den Aufstieg brauchen, das wird sich Spiel für Spiel zeigen. Wir wollen sowieso jedes Spiel gewinnen, und das fängt am Sonntag gegen Racing Zürich an. Wir müssen gegenüber allen Gegnern in dieser Liga grossen Respekt zeigen, die Mannschaften dieser Liga waren nicht umsonst lange Zeit so nahe beisammen. Ich denke, es ist klar, dass der FC Männedorf und YF Juventus neben uns die besten Anwärter auf den Aufstieg sind.

Führt als Captain jeweils sein Team anDie grosse Qualität der 1. Mannschaft ist deren Breite. Fast alle Positionen sind doppelt besetzt. Sind Stammspieler wie Goalie Benjamin Niederhauser oder Verteidiger Tomas Hermida während Wochen oder Monaten verletzt oder weilen gesetzte Spieler wie dein Bruder Matteo oder Sandro Camichel längere Zeit im Ausland, springen andere in die Bresche. Ist dies ein wichtiger Erfolgsfaktor und ein Unterschied im Vergleich dazu, wie sich das Fanionteam in früheren Jahren präsentiert hat?

Das ist ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor, nicht nur, weil er den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams stärkt, sondern auch, weil alle wissen, dass wir jedes Spiel gewinnen können, wenn wir unsere Leistung zeigen, egal welche elf Spieler auf dem Platz stehen. Durch diese Erkenntnis gehen wir immer sehr selbstsicher in unsere Spiele. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie das Team mit den genannten Absenzen umgegangen ist.

Du selbst hast, scheint mir, im Herbst bessere Leistungen gezeigt als bisher im Frühling. Teilst du diese Beobachtung? Und ist ein Grund möglicherweise, dass dir dein kongenialer Bruder Matteo im zentralen Mittelfeld fehlt, ein Spieler, mit dem du dich blind verstehst?

Ich teile diese Meinung allerdings, ich bin überhaupt nicht zufrieden mit meinen Leistungen bisher. Die Abwesenheit von Matteo mag ein Faktor sein, ein anderer ist vielleicht, dass ich momentan sehr mit meiner Masterarbeit beschäftigt bin. Ich mache mir aber möglichst wenig Gedanken darüber, und versuche mich einfach darauf zu konzentrieren, so gut wie möglich zu trainieren. Ich komme bestimmt wieder in Form.

Falls der SCZ in die 2. Liga aufsteigen sollte: Was müsste verändert werden, damit die Mannschaft auch in der höheren Spielklasse konkurrenzfähig wäre?

Das werden sich Trainer und Vorstand überlegen, falls es so weit kommt. Was mir sehr am Herzen liegt, ist, dass der SCZ seinen Fokus auf seine Juniorenabteilung richtet und damit stark im Gemeindeleben verankert bleibt. Das sollte in meinen Augen so bleiben, ob wir aufsteigen oder nicht.

 

Steckbrief

* Geburtsdatum: 22. November 1988

* Beruf/Studium: Rechnergestützte Wissenschaften

* Übernamen: Ale, Zwiible              

* Bevorzugte Spielfeldposition: Defensives Mittelfeld

* Trikotnummer: 6

* Stärken: Stellungsspiel, Spielaufbau

* Schwächen: Schnelligkeit, Schuss

* Lieblingsvereine: SCZ, FC Locarno, Manchester United

* Vorbild (als Spieler): Ole Gunnar Solskjaer

* Bisherige Vereine: SCZ

* Trainertätigkeit: Ea

* Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 1. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: 1.

„Meine Übernamen? Fässle, Seba, Basti, Panzer oder Schäferhund“

7 Fragen an… Sebastian Beisel.
Der neue Spieler in Diensten der 1. Mannschaft hat sich in kürzester Zeit sehr gut eingelebt. Im Interview erzählt er, weshalb er zum SCZ gewechselt hat und wie lange er bleiben wird, ob er seinem neuen Verein den Aufstieg in die 2. Liga zutraut – und ob in Süddeutschland oder im Kanton Zürich der bessere Fussball gespielt wird. Und ganz zum Schluss verrät er auch noch einige seiner unzähligen Übernamen.

Mit Sebastian Beisel sprach Dennis Bühler

 

Sebastian, du warst in der vergangenen Winterpause der einzige Neuzugang des SC Zollikon. Was kannst du der 1. Mannschaft bringen, das ihr bisher noch gefehlt hat?

Eine schwierige Frage für mich. Ich habe den Verein gewechselt um mich selber weiterzuentwickeln. Mit Sicherheit kann ich meinen Kampfgeist, Wille und Aufopferungsbereitschaft in die Waagschale werfen. In Luftduellen kann ich dem Team sicherlich auch weiterhelfen, da ich in diesen Situationen auch meine Stärken sehen. Was ich gerne mitbringen würde, wäre das taktische und individuelle Verhalten bei Standards zu beeinflussen, aber das ist ein sehr schwieriges Unterfangen (schmunzelt).

Du hast dir in kürzester Zeit einen Stammplatz erkämpft. Im Spiel gegen Fällanden vor zehn Tagen warst du der beste Zolliker, auch in Egg am vergangenen Sonntag hast du diverse Bälle erobert und grosse Zweikampfstärke bewiesen. Wie zufrieden bist du bis anhin mit deiner Zeit beim SCZ?

Die Spiele gegen Fällanden und auch gegen Egg waren sicher keine schlechten für mich. Aber nach fast einjähriger, von Verletzungen geprägter fussballerischer Pause vor meiner Zeit beim SCZ sehe ich mich noch immer in der Aufbauphase. Ich bin sehr froh, dass ich die ganze Vorbereitung verletzungsfrei überstanden habe, aber Potenzial nach oben ist, wie bei jedem Spieler in unserem Team, immer noch vorhanden. Meine bisherige Zeit beim SCZ habe ich sehr genossen, ich wurde super freundlich aufgenommen und geniesse es wieder richtig Spass am Fussballspielen zu haben.

Du bist vor einigen Monaten für ein Praktikum nach Zürich gekommen. Weshalb hast du dich eigentlich ausgerechnet für den SCZ entschieden?

Das war Zufall. Ich wollte mir für meine Zeit in Zürich einen Verein zum Trainieren suchen und war in der näheren Umgebung auf der Suche nach passenden Vereinen. Dies hat sich bei uns in der Klinik wohl herumgesprochen, und so wurde ich von einem Kollegen von unserem Werni angesprochen, der mit mir zusammen arbeitet. Er gab mir die Kontaktdaten, ich war einmal im Training und die Sache mit der Vereinssuche hat sich erledigt. Dies übrigens, obwohl bei dieser Trainingseinheit nur gerade fünf Leute aus der 1. Mannschaft anwesend waren und ich nach den Aufwärmübungen bereits Krämpfe bekommen habe (lacht).

Beim SCZ hast du dich in kürzester Zeit etabliert. Doch wie lange wirst du dem SCZ überhaupt erhalten bleiben – ist der Verein für dich nur eine Durchgangsstation, bevor du berufshalber wieder nach Süddeutschland wechseln wirst?

Ich bin mit meinem Studium vorerst zu Ende, bin also Arbeitssuchender. Für die nächsten 3 Monate konnte ich eine weitere Praktikumsstelle in Zürich ergattern. Danach werde ich mich bei allen möglichen Kliniken bewerben, in der Schweiz,  in Deutschland und auch auf anderen Kontinenten. Wenn ich eine gute Stelle in Zürich oder in der Umgebung bekommen kann, … warum sollte ich dann nicht in Zürich und beim SCZ bleiben?

Erzähle uns von deiner Fussballkarriere, bevor du zum SCZ gewechselt hast. Wo hast du gespielt, was waren die bisherigen Höhe- und Tiefpunkte?

Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich habe das Fussballspielen in Allensbach gelernt, dem schönsten Dorf der Welt am Bodensee. Ich konnte kaum laufen und stand schon, aufgrund der Tätigkeit meines Vaters als Fussballspieler und Trainer im Verein, auf dem Fussballplatz. Ich spielte von 1991 bis letztem Jahr immer beim SV Allensbach, habe dort alle Jugendmannschaften durchlaufen und dann auch sechs Jahre aktiv in der 1. Mannschaft gespielt. Unterbrochen wurde dieses Engagement einzig durch einen Abstecher zu einem Nachbarsklub, mit dem Allensbach eine Kooperation einging: Ich habe für drei Jahre den Verein gewechselt, um höherklassigen Fussball spielen zu können. Wirkliche Höhepunkte fallen mir jetzt gerade keine ein. Ich habe indes sehr viele gute Erinnerungen an meine Jugend- und Aktivzeit in Allensbach, mit mehreren Meisterschaften, Turniersiegen oder grossen Spielen, und die grösseren und  kleineren Feste darf man da auch nicht vergessen. Ein Tiefpunkt war mit Sicherheit der Abstieg aus der Bezirksliga in der Saison 2010/2011. Jedoch sind die positiven Erinnerungen weit in der Überzahl.

Du kannst den Fussball in Süddeutschland mit dem im Kanton Zürich vergleichen. Wo wird der gepflegtere Fussball gespielt?

Schwer zu sagen. Der Schweizer Fussball ist um einiges technischer als der Süddeutsche. Jedoch haben bei uns die physischen und taktischen Fähigkeiten einen weitaus höheren Stellenwert als hier in der Schweiz. Somit kann man keinen Vergleich ziehen, weil auf ganz andere Schwerpunkte wert gelegt wird.

Wie beurteilst du das Potenzial der 1. Mannschaft des SCZ – liegt der Aufstieg in dieser Saison drin?

Einfache Antwort: Ja

 

Steckbrief

* Geburtsdatum: 27.01.1988

* Beruf: Medizinischer Trainingstherapeut (Sporttherapeut/Bewegungstherapeut)

* Übernamen: Fässle, Seba, Basti, Panzer, Schäferhund, Sebas (so nennt mich Nicolas Girod) und viele weitere mehr. Man kann in der Zwischenzeit gewiss ein Buch füllen mit meinen Übernamen 😉

* Bevorzugte Spielfeldposition: Mittelfeld

* Trikotnummer: Jugend 11, Aktiv 12

* Stärken: Zweikampf, Luftduelle, Wille, Ausdauer

* Schwächen: Beweglichkeit, Schnelligkeit

* Lieblingsvereine: Bayern München, SC Freiburg, SV Allensbach

* Vorbild (als Spieler): Bastian Schweinsteiger, Sebastian Deisler

Der perfekte Spieler… setzt spielerische Akzente und reibt sich für seine Mannschaft auf ohne herauszustechen

* Bisherige Vereine: SV Allensbach, SG Dettingen-Wallhausen, SC Zollikon

* Trainertätigkeit: 2007-2009

Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 1. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: 1.

Da steht der SCZ in fünf Jahren: In der 2. Liga regional vorne dabei

* Das ist beim SCZ besser als bei meinem letzten Verein: Trainingsintensität, Teamzusammenhalt

* Das ist bei meinem letzten Verein besser als beim SCZ: Der Rasenplatz – vor allem weil wir darauf Spiele austragen 😉

* So würde ein Duell zwischen dem SCZ und meinem letzten Verein enden: Das würde mich selber sehr interessieren. Ich weiss es ehrlich gesagt nicht, obwohl beim SCZ die besseren Fussballer spielen

 

 

„Wenn alles so klappt, dann platzt der Coach fast vor Stolz!“

7 Fragen an… Fabian von Rechenberg.
Seit einem halben Jahr trainiert Fabian von Rechenberg die im vergangenen Sommer neu gegründete 3. Mannschaft des SCZ. „Einige trafen am Anfang der Saison kaum den Ball“, erinnert sich von Rechenberg. „Und heute machen sie auch anspruchsvollere Passübungen ohne Probleme mit.“ Der Rückrundenstart jedenfalls ist geglückt: Am vergangenen Sonntag schlug die 3. Mannschaft den an der Tabellenspitze klassierten FC Wallisellen nach grossem Abnützungskampf 2:1.

 

Mit Fabian von Rechenberg sprach Dennis Bühler

Die 3. Mannschaft ist am vergangenen Sonntag erfolgreich in die Rückrunde gestartet. Nach den Resultaten der Testspiele hatte der 2:1-Sieg gegen den vormaligen Tabellenführer Wallisellen nicht unbedingt erwartet werden können. Was hat deine Mannschaft im ersten Ernstkampf dieses Jahres besser gemacht als zuvor?

In den Vorbereitungsspielen haben wir viel zu viele Gegentreffer kassiert, deshalb haben wir die taktische Ausrichtung im Mittelfeld defensiver ausgerichtet. Dazu hatten wir das Glück an diesem Sonntag definitiv auf unserer Seite. Ich denke es ist das Glück des Tüchtigen, denn wir haben uns für eine 5. Liga Mannschaft sehr intensiv vorbereitet.

Nach gut der Hälfte dieser Saison liegt die 3. Mannschaft in der Tabellenmitte, jeweils hinter und vor fünf anderen Vereinen. Welches Ziel setzt du deinem Team in den verbleibenden neun Spielen?

Ich habe mit der Mannschaft vor dem ersten Rückrundenspiel als Ziel abgemacht, in den zehn Spielen bis zum Saisonende 15 Punkte zu gewinnen. Nach dem Spiel habe ich dieses Ziel auf 18 hochgeschraubt (lacht). In der Vorrunde hatten wir mit gütiger Mithilfe der 1.- und 2. Mannschaft zehn Punkte geholt.

Du bist jetzt seit sechs Monaten Trainer der 3. Mannschaft. Weshalb hast du dich im Herbst eigentlich entschieden, dieses Amt zu übernehmen?

Bevor ich Trainer wurde, habe ich als Spieler zwei Mal mit der Mannschaft trainiert. Die Jungs waren und sind immer noch sehr motiviert, haben ein super Verhältnis untereinander und arbeiten toll mit. Von der Einstellung her kann sich ein Trainer eine solche Mannschaft nur wünschen.

Gibt es einen Spieler der 3. Mannschaft, dessen Entwicklung dich in den vergangenen Monaten besonders positiv überrascht oder beeindruckt hat?

Davon gibt es mehrere. Einige trafen am Anfang der Saison kaum den Ball und heute machen sie auch anspruchsvollere Passübungen ohne Probleme mit. Aber auch Spieler die früher in der 2. Mannschaft meistens nicht einmal im Aufgebot standen wie Maik Panther oder Cedric Hofstetter sind heute absolute Leader-Figuren und wären auch in der 4. Liga ein Gewinn für die Zolliker. Dies ist keine Kritik an der Arbeit von Ben, dem Trainer der 2. Mannschaft. Spieler entwickeln sich schneller, wenn man auf sie setzt. Er hatte damals bessere Optionen.

Du bist einer der auffäligsten Trainer der 5. Liga, weil du meist im Anzug und mit Krawatte coachst. Warum eigentlich?

Am Anfang war es nur als Motivationsspritze für meine Mannschaft gedacht. Sie sollten spüren, dass sie einen Trainer haben, der voll und ganz hinter dem Team steht – auch wenn er sich dabei zum Affen macht. Daraus wurde nun ein Kult, der einfach dazu gehört. Dazu kommt, dass ich so oder so schon viel besser als Alain, Werner und Ben aussehe, die anderen Zolliker Aktivtrainer. Mit dem Anzug versuche ich das zu überspielen, damit sie nicht total im Regen stehen (lacht).

Es gibt in der 3. Mannschaft Spieler, die erst seit sie unter dir spielen auf jener Position eingesetzt werden, auf der sie ihre Qualitäten am besten zur Geltung bringen können. Wie gelingt es dir, immer die ideale Aufstellung zu finden?

Das sind grosse Worte eines Journalisten, der bei mir von der Verteidigung in den lang ersehnten Sturm wechseln durfte (lacht). Ich versuche aber die Frage trotzdem zu beantworten: Wir hatten sechs Vorbereitungsspiele und in diesen Tests auch einiges ausprobiert. Am Ende haben wir, so glaube ich, für jeden Spieler eine Position gefunden, auf der er sich wohl fühlt. Das ist wichtig, denn die Jungs brauchen Selbstvertrauen, damit sie gut spielen können.

Das vergangene Wochenende verlief für dich ideal. Zuerst gewannen die von dir bevorzugten Grasshoppers im Stadtderby gegen den FCZ, dann alle drei Aktivteams des SCZ. Welcher dieser vier Siege hat dich am meisten überrascht, welcher hat dich am meisten gefreut?

Die 1. Mannschaft konnte ich leider nicht verfolgen, da sie auswärts spielte, aber natürlich freue mich über das Resultat. Die Grasshoppers und die 2. Mannschaft mussten beide gegen einen unbequemen und äusserst primitiven Gegner antreten, wurden ihrer Favoritenrolle aber schliesslich gerecht, was mich noch mehr gefreut hat. Aber wenn man eine eigene Mannschaft führt, ist das wahrscheinlich wie wenn man ein Kind hat: Ich leide an der Seitenlinie extrem mit, ich ärgere mich, wenn einer seine Leistung nicht abrufen kann oder verletzt wird, freue mich mit den Spielern, wenn sie einen Zweikampf gewinnen oder ein Tor schiessen, bin enttäuscht, wenn einer nicht zum Training erscheint oder nicht alles gibt, bin überglücklich, wenn ich sehe wie viel Spass sie untereinander haben, ob im Training, an Partys oder am Spieltag. Das sind sehr starke Gefühle. Wenn meine Jungs dann sogar den Leader bezwingen, platzt der Coach fast vor Stolz!

„Unser Ziel ist, Ende Saison die Tabellenspitze zu zieren“

7 Fragen an… Alain Merkli.
Zur Mitte seiner dritten Saison als Trainer der 1. Mannschaft zeigt sich Alain Merkli so ambitioniert wie nie zuvor: In zweieinhalb Monaten soll sein Team den Aufstieg in die 2. Liga feiern. Am Sonntag muss es im Auswärtsspiel beim FC Morava den ersten Grundstein legen. Im Interview blickt Merkli zurück auf eine intensive Vorbereitung mit Trainingslager und Testspielen und formuliert seine Erwartungen für die Rückrunde.

 

Mit Alain Merkli sprach Dennis Bühler

Alain MerkliAlain, wie haben du und dein Co-Trainer Werner Kienle mit der 1. Mannschaft die vergangenen fünf Monate seit dem Ende der Vorrunde genutzt?

Die Pause zwischen der Vorrunde und der Rückrunde wurde in drei Abschnitte gliedert. Der erste Abschnitt, das heisst die Zeit nach der Vorrunde im alten Jahr, wurde vollends der Spielfreude gewidmet. Spiel und Spass standen im Vordergrund. In den ersten zweieinhalb Monaten des neuen Jahres wurden Schnelligkeit und Ausdauer trainiert: Eine lange, harte Phase für die Spieler, die – teilweise verletzungsbedingt – leider nicht alle konsequent mitgemacht haben. Im März absolvierten wir dann Testspiele und ein gemeinsames Trainingslager mit den A- Junioren mit Fokus auf die Teambildung, das Spielerische, Taktische und Sportpsychologische. Wir werden sehen, welche Früchte unser Plan und die Arbeit der Mannschaft während der vergangenen fünf Monate tragen werden.

Wie erfolgreich verlief das Trainingslager?

Im Trainingslager in Oberstaufen im März 2013Die Trainingsbedingungen in Oberstaufen waren eigentlich nicht schlecht, doch hat der erneute Wintereinbruch versucht, uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Innerhalb von anderthalb Stunden deckte Madame Holle den frisch freigeschaufelten Fussballplatz mit 15 Centimetern Schnee zu – wir nahmen´s sportlich und flexibel. Der Höhepunkt des Trainingslagers war das fröhliche Abendessen in der Enzianhütte am Samstagabend. Wir hatten sehr seriös trainiert und feierten dementsprechend am letzten Abend des Trainingslagers gesund und gut gelaunt, A-Junioren und Eins-Spieler als Verein zusammen. Ein weiterer Höhepunkt stellte sicher auch das Tor meines Assistenten Werner Kienle im Abschlussspiel gegen die eigenen A-Junioren dar. Werner zirkelte gekonnt über den hervorragenden Goalie der A-Junioren.

Im Trainingslager in Oberstaufen im März 2013, IIEinziger Neuzugang ist Mittelfeldspieler Sebastian Beisel, dafür fehlen in der Rückrunde die beiden Stammspieler Matteo Felder und Sandro Camichel wegen Auslandaufenthalten. Ist der SCZ in der Rückrunde besser oder schwächer besetzt als in der Vorrunde?

Stärke und Schwäche einer Mannschaft basieren selten nur auf ein, zwei Spielern. Den Teamerfolg machen das Kollektiv und dessen Spielverständnis untereinander aus. Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Monaten sicherlich weiterentwickelt, sie ist wiederum gereift und verfügt über neue strategische Ansätze. All dies macht uns kompakter und grundsätzlich kompletter. Mit Sandro Camichel, Matteo Felder und auch dem langzeitverletzten Michael Hugentobler fehlen aber durchaus starke Spieler, welche für die Mannschaft wichtig sind und Zeichen setzen können. Sebastian Beisel hat sich beachtlich gut in die Mannschaft integriert und zeigte in den Freundschaftsspielen gute Leistungen.

Zur Saisonhälfte liegt der SCZ auf dem dritten Tabellenrang in Lauerposition, zwei Punkte hinter Leader Egg (der ein Spiel weniger ausgetragen hat). Welches Saionziel setzt du deiner Mannschaft?

Das machbare Ziel ist die Tabellenspitze!

Am kommenden Sonntag trifft der SCZ zum Rückrundenstart auf den FC Morava, der im vergangenen September 6:3 besiegt werden konnte. Wird dieses Spiel wegweisend für den Verlauf der Rückrunde?

Nicht ein einzelnes Spiel ist wegweisend, sondern das übergeordnete Ziel. Der FC Morava ist ein starker, höchst unberechenbarer Gegner, auf den ich mich sehr freue.

Alain Merkli und Werner Kienle, das Trainerduo der 1. Mannschaft, im vergangenen Herbst auf dem Sportplatz Riet.Haben Werner Kienle und du eure Startelf für den Sonntag bereits gefunden, oder wird in der Rückrunde mehr rotiert als in der Vorrunde?

Die Startelf für das erste Spiel ist noch nicht entschieden. Die richtige Startformation zu finden wird eine Herausforderung sein, obwohl wir dankbarerweise über ein sehr ausgeglichenes Kader verfügen. Matchentscheidend wird sein, wie offensiv oder defensiv wir unser Spiel gegen diesen Gegner einstellen werden. Ich bin optimistisch, dass wir das richtige Rezept anwenden können.

Hat der SCZ als Verein überhaupt das Potenzial, um den allfälligen Aufstieg in die 2. Liga zu stemmen?

Falls wir bis Ende der Saison als Mannschaft die Tabellenspitze besetzen, so haben wir auch das Potenzial, den Aufstieg in die 2. Liga zu bewerkstelligen. Alle müssen zweifelsfrei an einem Strick ziehen – denn der Zweifel lässt sich nur durch überzeugtes Denken und Tun vertreiben. An dieser starken Überzeugung arbeiten wir täglich.

Termin:

Sonntag, 7. April, 14.00 Uhr (Sportplatz Juchhof): FC Morava I – SC Zollikon I.

Die Tabelle zur Saisonhälfte

3. Liga, Gruppe 3: 1. FC Egg I (10 Spiele, 21 Punkte, 22 Strafzähler). 2. SC YF Juventus II (11 Sp., 21 Pkte., 21 Sz.). 3. SC Zollikon I (11 Sp., 19 Pkte., 25 Sz.). 4. FC Männedorf I (11 Sp., 17 Pkte., 27 Sz.). 5. FC Fällanden I (11 Sp., 16 Pkte., 28 Sz.). 6. FC Morava I (11 Sp., 16 Pkte., 31 Sz.). 7. FC Meilen I (11 Sp., 16 Pkte., 34 Sz.). 8. Racing Club ZH I (10 Sp., 15 Pkte., 20 Sz.). 9. SV Höngg II (11 Sp., 13 Pkte., 20 Sz.). 10. FC Witikon I (11 Sp., 13 Pkte., 38 Sz.). 11. FC Unterstrass II (11 Sp., 12 Pkte., 41 Sz.). 12. FC Küsnacht II (11 Sp., 9 Pkte., 25 Sz.).