7 Fragen an Jure Mioc…

Einst stand er beim FC St. Gallen und den Young Boys Bern kurz vor dem Durchbruch als Profifussballer, nun ist Jure Mioc nach einer langen Karriere im Regionalfussball 33-jährig in Zollikon gelandet. Im Interview nimmt der neue Zolliker Abwehrchef Stellung zum missglückten Saisonauftakt, schwärmt vom Kiosk auf dem Riet und erzählt, warum es keine so gute Idee ist, im Trainingslager einen Mitspieler ins Hotelzimmer einzusperren.

Mit Jure Mioc sprach Dennis Bühler

Jure Mioc beim FC FreienbachDer Saisonbeginn ist der 1. Mannschaft des Sportclubs Zollikon missglückt: Mit nur gerade vier Punkten aus vier Spielen liegt dein mit grossen Ambitionen in die Saison gestartetes Team fast am Tabellenende. Was läuft schief?

Dass wir es eigentlich können, zeigten wir im nur knapp verlorenen Cupspiel gegen Zweitligist Affoltern am Albis sowie im Testspiel gegen den ebenfalls höherklassigen FC Seefeld. Umso mehr müssen wir uns die Frage stellen, warum wir beispielsweise gegen die limitierte zweite Mannschaft des FC Küsnachts nicht über ein Unentschieden hinaus kommen. Meine Antwort ist: Wir haben einige Gegner auf die leichte Schulter genommen und wurden dafür hart bestraft. Unser Defensivverhalten gegen solch vermeintlich schwächere Gegner war schlicht ungenügend.

Noch ist erst ein knappes Fünftel der Meisterschaftsspiele absolviert. Liegt trotz des Fehlstarts noch etwas drin – oder müsst ihr nun gar um den Klassenerhalt bangen?

Unsere Mannschaft verfügt über hohe Qualität. Wenn wir unser Niveau erreichen, spielen wir in dieser Gruppe ganz oben mit. Trotz des Fehlstarts: Der Aufstiegszug ist noch nicht abgefahren. Solange rechnerisch noch eine Möglichkeit besteht, glaube ich dran – und das wird noch lange der Fall sein.

Jure Mioc, du hast beim FC Frauenfeld, beim FC St. Gallen, bei den BSC Young Boys Bern, beim FC Solothurn, beim FC Küsnacht, beim FC Seefeld, beim FC Thalwil und beim FC Freienbach gespielt – ziemlich viele Vereine für eine einzige Karriere. Vor wenigen Wochen wechseltest du nun 33-jährig zum Sportclub Zollikon. Weshalb ist dein neuer Verein zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Klub für dich?

Nach meinem Abgang beim FC Freienbach und der darauf folgenden einjährigen Pause, während der ich nur noch Futsal gespielt hatte, verspürte ich wieder grosse Lust auf richtigen Fussball. Weil ich seit einem guten Jahr in Zollikon wohne, erschien mir der lokale Verein ideal – erst recht, weil ich Trainer Christian Stengele von unserer gemeinsamen Zeit beim FC Küsnacht kannte sowie Marko Dugandzic und Sandro Camichel vom FC Seefeld. Als ich dort in der ersten Mannschaft engagiert war, waren sie beide von den A-Junioren dazu gestossen. Ich fühlte mich hier auf dem Riet deshalb von Anfang an willkommen geheissen. Ich merkte rasch, dass der SCZ ein Familienclub mit herausragender Atmosphäre ist. So können wir Spieler nach den Spielen und Trainings beispielsweise im Kioskrestaurant bei Wendy essen, was ich sehr schätze. Von meinen früheren Vereinen bin ich so familiäre Stimmung nicht gewohnt.

Einst spieltest du bei St. Gallen und YB und schienst kurz vor dem Durchbruch als Profifussballer zu stehen. Warum hat es letztlich doch nicht ganz gereicht?

Mit 20 Jahren verletzte ich mich am Syndesmoseband unterhalb des Schienbeins. Diese hartnäckige Verletzung kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt: Die Young Boys Bern, bei denen ich unter anderem mit Stéphane Chapuisat zusammen spielte, wurden damals ähnlich durchgerüttelt wie jetzt. Sie verpflichteten 2003 viele auswärtige Stars und gaben jungen Spielern wie mir, die sich verletzten, keine Zeit, um den Anschluss wieder zu schaffen. Man schob mich zum FC Solothurn ab.

Beim SCZ bist du auf eine Mannschaft von zwar motivierten Spielern gestossen, bei der aber – anders als bei den meisten deiner früheren Teams – doch klar der Spass im Vordergrund steht und weder Löhne noch Spesenentschädigungen bezahlt werden. Wie gehst du damit um, erstmals reine Freizeitfussballer an deiner Seite zu haben?

Das ist für mich tatsächlich eine spezielle Situation. Trainer Christian Stengele aber hat eine klare Linie, er schafft den Spagat zwischen Disziplin und Spass bisher sehr gut. Zudem ist es ja nicht so, dass wir keine Ziele verfolgen würden. Der SCZ möchte zumindest mittelfristig aufsteigen und sich in der 2. Liga etablieren. Ich möchte solange wie möglich im „Eis“ bleiben und meinen Anteil zum Erfolg beitragen – meine Vorbilder sind Paolo Maldini und Francesco Totti, die bis ins hohe Alter spielten respektive spielen (schmunzelt).

Du hast in deiner Laufbahn im Schweizer Fussball sicherlich einiges erlebt. An welchen Moment denkst du am liebsten zurück?

Ein Spiel, an das ich mich immer erinnern werde, war der Überraschungscoup mit dem FC Seefeld gegen den FC Winterthur im September 2008. Wir gewannen gegen den haushohen Favoriten auf der Lengg 3:2 nach Penaltyschiessen.

Erzähle uns zum Schluss doch bitte deine liebste Anekdote deiner inzwischen rund anderthalb Jahrzehnte im ambitionierten Schweizer Amateurfussball!

Wir weilten mit dem FC Solothurn im Trainingslager in Spanien. Ein Mitspieler verschlief das Frühstück und tauchte auch zum Morgentraining nicht auf, weshalb wir kurzerhand zum Hotel zurück liefen und sein Zimmer von aussen verriegelten. Womit wir nicht rechneten: Der Kollege sprang, nachdem er endlich aus seinen Träumen erwachte, in Panik aus dem Fenster. Und auch wenn das Zimmer nur im 1. Stock lag, brach er sich das Bein und fiel monatelang aus. Das tat uns dann allen leid.

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Steckbrief

Name Jure Mioc
Spitznamen
Trikotnummer 28
Geburtsdatum 6. Februar 1983
Nationalität Schweiz (kroatische Wurzeln)
Beruf Key Account Manager (CWS)
Beim SCZ seit Sommer 2016
Frühere Vereine Frauenfeld, St. Gallen, YB, Solothurn, Küsnacht, Seefeld, Thalwil, Freienbach, Zollikon
Bevorzugte Position Innenverteidiger oder defensives Mittelfeld
Stärke Stellungsspiel, Zweikampf
Schwäche Linker Fuss
Starker Fuss rechts
Lieblingsfussballer Paolo Maldini und Francesco Totti
Lieblingsverein Hajduk Split
Lieblingsessen italienische Küche
Auf diesem Tabellenrang klassiert sich das Zolliker „Eis“ in der Saison 2016/17 1.