„Es muss eine Aufbruchsstimmung kreiert werden rundum s´Zwei“

7 Fragen an… Ben Crawshaw.
Nach vier Jahren ist genug: Ben Crawshaw hört zum Saisonende als Trainer der in der 4. Liga engagierten 2. Mannschaft auf. Wer ihn ersetzt, ist noch unklar. Im Interview erläutert Crawshaw die Gründe für seinen Rücktritt, blickt zurück auf die Höhepunkte seines insgesamt elfjährigen Schaffens als Junioren- und Aktivtrainer und wagt einen Ausblick in seine Zukunft, in der er dem SCZ unbedingt verbunden bleiben will: nicht zuletzt als für den Verein tätiger FVRZ-Schiedsrichter.

Mit Ben Crawshaw sprach Dennis Bühler

 

Ben, du hast vor einigen Tagen deinen Rücktritt als Trainer der zweiten Mannschaft verkündet. Weshalb hörst du zum Ende der laufenden Saison nach insgesamt elf Jahren als Trainer auf?

Meine Entscheidung hat mehrere Gründe. Der Hauptgrund ist, dass ich keine Kraft mehr habe. Ich will mehr Zeit für mich und mein Umfeld haben. Seit ich das Traineramt übernommen habe, fixierte ich mich so stark auf den Fussball, dass ich anderes vernachlässigt habe. Ich war elf Jahre Trainer, die letzten vier Jahre betreute ich das „Zwei“. Nun ist es an der Zeit, um eine Weiterbildung zu beginnen, um wieder die Schulbank zu drücken. Ich muss an meine Karriere denken, an mein Berufsleben. Ein zweiter Grund ist die Entwicklung, die die 2. Mannschaft in der jüngsten Vergangenheit genommen hat: Als Trainer ist man immer derjenige, der gibt, und man erhält wenig zurück. Bis vor kurzem machte mir dies wenig aus, denn der ausgezeichnete Teamzusammenhalt war Entschädigung genug. Nun hat dieser Teamspirit aber stark gelitten. Die Spieler haben mich in den letzten Monaten viel Kraft gekostet. Ich musste viel diskutieren, häufig auch streiten, mich ständig erklären. Es ist mir schlicht zu viel geworden.

Wann hat der Negativtrend deines Teams begonnen, und worin siehst du die Gründe?

Ihren Anfang hatte diese Entwicklung bereits vor einiger Zeit, sogar vor dem Aufstieg in die 4. Liga im letzten Juni. Die guten Resultate in der Aufstiegssaison hatten diese schwelenden Konflikte, diese schlechte Stimmung einfach zunächst etwas verdeckt. In der Saison 2010/11 waren wir einzig wegen der immensen Zahl an Strafpunkten nicht aufgestiegen, allein diese Tatsache zeigt schon, dass die Disziplin meiner Spieler oft mangelhaft war. In meiner Mannschaft gab es viele Unruhestifter.

Welche Fehler wirfst du dir selbst vor?

Zum einen habe ich als Trainer zu viel selbst gemacht. Ich habe gar keinen Co-Trainer neben mir geduldet, das war sicherlich ein Fehler. Zum anderen war es mein Fehler, dass ich zu lange die Augen zugedrückt habe. Ich hätte bei Disziplinlosigkeiten härter durchgreifen sollen. Es gelang mir nicht immer, das Mass zu finden zwischen den beiden wichtigsten Dingen: Den Spielern zu ermöglichen, Spass und Freude zu haben, aber auch eine Disziplin auf und neben dem Platz zu garantieren, um überhaupt Fortschritte erzielen zu können. Das gegenwärtige Problem in meiner Mannschaft lässt sich vielleicht so umschreiben: Es gibt zu wenig Spieler, die mithelfen, die etwas für die Gemeinschaft geben – und es gibt zu viele, die nur nehmen.

Was wünschst du deinem Nachfolger (der noch gesucht wird – Interessenten melden sich bitte bei SCZ-Präsident Andreas Roca)?

Den Aufstieg in die 3. Liga. Vor allem aber, dass es ihm gelingt, wieder eine Stimmung hinzukriegen, die Erfolge zulässt. Der Teamgeist muss wieder gefunden werden. Es muss Spielern der 1. Mannschaft wieder Spass bereiten, wenn sie im „Zwei“ aushelfen. Und Spieler der 3. Mannschaft sollten ins „Zwei“ aufsteigen wollen, es sollte ihr Ziel sein, auch beim „Zwei“ mitzuhalten und Teil dieses Teams zu werden. Es muss wieder eine Aufbruchsstimmung kreiert werden rundum die zweite Mannschaft. Mein Nachfolger braucht viel Engagement und Willen, um dies zu schaffen. Unmöglich aber ist es sicherlich nicht. Ich traue meiner Mannschaft zu, dass sie in ein, zwei Jahren den Aufstieg in die 3. Liga schafft. Das Potenzial dazu ist vorhanden. Wenn wieder alle an einem Strick ziehen, wird der Erfolg eintreten.

Du warst während mehr als einem Jahrzehnt Trainer im SCZ. Welches waren aus deiner Sicht die Höhepunkte?

Vom Sportlichen her betrachtet die Aufstiege, ich konnte mit drei Juniorenteams sowie mit der 2. Mannschaft Aufstiege feiern. Wichtiger aber war es mir, zu sehen, wie sich viele meiner Spieler entwickelt haben. Spieler, die ich einst bei den Junioren trainierte, sind heute wichtige Bestandteile der A-Junioren oder der verschiedenen Aktivteams. Solch positive Entwicklungen zu verfolgen bereitet mir viel Freude. Im SCZ habe ich eine Familie und zahlreiche Freunde gefunden. Und als Trainer habe ich enorm viel wertvolle Lebenserfahrung hinzu gewonnen. Ich habe sehr viel von meiner Trainertätigkeit profitiert und Dinge gelernt, die ich auch in meinem Leben abseits des Fussballplatzes nützen kann.

Auch wenn du als Trainer zurücktrittst, bleibst du dem SCZ erhalten. Du wirst nämlich auch in der kommenden Saison als Schiedsrichter Spiele des FVRZ pfeifen. Weshalb macht dir diese Aufgabe mehr Spass, als es das Traineramt in der letzten Zeit vermochte?

Schiedsrichter bin ich noch nicht lange, die Begeisterung für diese Tätigkeit ist jünger. Ich lerne bei jedem Spiel, das ich leite, Neues hinzu. Jedes Spiel ist eine neue, spannende Herausforderung. Es ist aber auch nicht so, dass ich als Trainer überhaupt keine Freude mehr gehabt hätte. Die momentane Situation in der 2. Mannschaft ist einfach schwierig, und sie erfordert, dass ich eine Pause einlege und eine andere Person mit mehr Energie dieses Amt übernimmt. Ich kann mir jedoch absolut vorstellen, in Zukunft wieder mal als Trainer zu beginnen. Wie du richtig erwähnt hast, ist es auch nicht so, dass ich dem SCZ den Rücken kehren würde. Ich habe einige Projekte im Hinterkopf, die ich gerne anstossen würde. So will ich etwa erreichen, dass der Ruf des SCZ bei den Schiedsrichtern besser wird. Ich will die Zolliker Teams für das Schiedsrichterwesen sensibilisieren. Mein Plan ist es, alle SCZ-Teams mindestens einmal im Jahr im Training zu besuchen, um die Spieler auf Regeländerungen hinzuweisen und ihnen klarzumachen, dass der Schiedsrichter nie einfach nur eine Pfeife ist. Letztendlich ist es mein Ziel, das Verständnis zu fördern, und damit indirekt zu erreichen, dass die Schiedsrichter gerne aufs Riet kommen. Ohne schlechte Gefühle und Angst vor unflätigen Sprüchen aus unserer Bierkurve.

Mit welchen Gefühlen hängst du nun deine Trainertätigkeit an den Nagel?

Auf jeden Fall auch mit einem weinenden Auge. Schliesslich hat mir der SCZ wie erwähnt auch viel gegeben. Zum Schluss möchte ich mich bei allen Junioren, die ich je trainiert habe, bedanken. Ich habe an jeden Einzelnen gute Erinnerungen, und auch wenn es nicht immer mit allen einfach war, konnte ich viel profitieren. Bedanken möchte ich mich auch beim Vorstand für das Vertrauen, das mir dessen Mitglieder von Anfang an und stets entgegenbrachten. Auch den Eltern der Junioren, den Zuschauern am Spielfeldrand, ja einfach dem ganzen Umfeld, der bezaubernden SCZ-Familie möchte ich danken. Sie alle haben dafür gesorgt, dass meine Trainertätigkeit zur Leidenschaft geworden ist, dass ich eine unvergessliche Zeit erleben durfte. Nun wird ein Buch zugeschlagen, doch irgendwann wird ein neues Kapitel beginnen. Ich bin ja erst 28-jährig (lacht).