„Es macht einfach Freude, als Fan ein Teil dieser Gruppe zu sein“

7 Fragen an… Marco „Carlos“ Müller.
Er ist der wohl grösste Anhänger des Sportclubs Zollikon. Ein Spiel der 1. Mannschaft verpasst er nie, und auch dem „Zwei“ jubelt er regelmässig zu. Im Interview erklärt Marco Müller, was ihn am SCZ so fasziniert, wer für ihn Favorit auf den Aufstieg in die 2. Liga ist – und wie er zu seinem Übernamen kam, unter dem ihn heute jeder auf dem Sportplatz Riet kennt. 

 

Mit Marco Müller sprach Dennis Bühler

Du bist der wohl treueste Fan der 1. Mannschaft des SCZ und verpasst seit Jahren keines ihrer Spiele. Weshalb hat es dir dieses Team derart angetan?

Es gibt verschiedene Gründe und es hat nicht nur mit der 1. Mannschaft alleine zu tun. Zum einen bin ich, seit ich selber einen Ball vorwärts bewegen kann, ein SCZ’ler. Zum anderen ist seit der Übernahme der 1. Mannschaft durch das Trainerduo Alain Merkli und Nicolas „Füri“ Fürer vor rund zweieinhalb Jahren im ganzen Verein ein Wille zu spüren, etwas gemeinsam erreichen zu wollen. Und vor allem ist die jetzige 1. Mannschaft menschlich einfach eine super geniale Truppe die sogar noch Fussball spielen kann. Es macht einfach Freude als Fan ein Teil dieser Gruppe zu sein.

Am vergangenen Sonntag gewann die 1. Mannschaft in Unterstrass 5:0, heute Abend spielt sie in Fällanden erneut gegen einen Aufsteiger. Wie stufst du die bisherigen Leistungen in dieser Saison ein?

Da sehe ich noch Potenzial nach oben. Es fehlt im Moment noch ein wenig die Konstanz, zum Teil auch innerhalb einer einzelnen Halbzeit eines Spiels. Aber seien wir ehrlich, es ist im Moment ein Jammern auf relativ hohem Niveau. Bis auf das Spiel gegen Egg, als alle – inklusive Zuschauer (schmunzelt) – neben den Schuhen standen, mussten wir uns von keinem der Gegner über 90 Minuten dominieren lassen. Aber ich denke, die potenziell schwersten Gegner folgen alle erst noch, und es braucht von jedem noch einen Zusatzeffort will man das von den Trainern Alain Merkli und Werner Kienle formulierte Ziel erreichen. Möglich ist es auf alle Fälle, und mit der baldigen Rückkehr der beiden Felder-Brüder wird noch mehr Breite und Qualität in das Kader zurückkehren.

In der vergangenen Saison klassierte sich die 1. Mannschaft nach dem Aufstieg in die 3. Liga auf Anhieb auf dem sehr guten dritten Tabellenrang. Die Trainer Alain Merkli und Werner Kienle haben dennoch darauf verzichtet, in dieser Spielzeit den Aufstieg zum Ziel zu deklarieren und sprechen lieber davon, die Tabellenspitze angreifen zu wollen. Was traust du dem „Eis“ in dieser Saison zu?

Die Gruppe erscheint mir sehr ausgeglichen dieses Jahr. Ich persönlich sehe YF Juventus als Favoriten für den Aufstieg. Dahinter ein breites Verfolgerfeld mit Chancen, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Zu diesem Verfolgerfeld zählt unbestritten auch unsere 1. Mannschaft, zumal ich im letzten Spiel gegen Unterstrass, mal abgesehen von den ersten 20 Minuten, schon wieder sehr viele Sachen gesehen habe, die mich an die fantastische erste Saison in der 3. Liga erinnert haben.

Du hast selbst früher in der 1. Mannschaft des SCZ gespielt. Hier ein Ausschnitt aus der anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Vereines vor anderthalb Jahren erschienenen Chronik:

Nach der Trennung der erst vor kurzem zum Verein gestossenen Spieler ohne jeden Bezug zum SCZ musste der Kader 1992 durch junge Eigengewächse aufgestockt werden. Max Herter, Marco Müller, Markus Spiess, Luca Tonet und Michael Weisser erwiesen sich jedoch noch als zu wenig reif. Nach einer desolaten Saison, während der Spiele gegen Urdorf und Dietikon jeweils 0:9 verloren gegangen waren, stiegen die Zolliker in die 4. Liga ab. Das Entscheidungsspiel in Höngg hatten sie gegen Young Fellows durch ein Tor in der 87. Minute 0:1 verloren. Torhüterlegende Peter Ruckstuhl, der für diese Partie reaktiviert wurde, weil Stammgoalie Chris Stettler verletzt war, zeigte eine starke Partie, konnte das Gegentor aber nicht verhindern.

Mit welchen Erinnerungen denkst du an deine Anfangszeit im Fanionteam zurück?

Grundsätzlich mit guten Erinnerungen. Ich konnte von den erfahrenen Spielern sehr viel profitieren. Ich durfte ja zusammen mit Max Herter schon vor der Abstiegssaison 3.-Liga-Luft schnuppern, und wir hatten mit Richi Bauer und nachher mit Zlatko Dupovac zwei Trainer, die im absoluten Spitzenfussball tätig gewesen waren. Da gab es schon sehr viele Tricks und Finessen, die man mit auf den eigenen Weg nehmen konnte. Leider wurden zu dieser Zeit im SCZ sehr viele Fehler gemacht, es wurde „blind“ auf die 1. Mannschaft gesetzt mit vielen externen Spielern ohne Bezug zum SCZ, die A-Junioren wurden aufgelöst und der Zusammenhalt in der 1. Mannschaft war dementsprechend zu wenig gut um erfolgreich zu sein. Die Quittung folgte ja dann, und man dümpelte jahrelang in den Niederungen der 4. und sogar 5. Liga rum.

Welches waren die Höhe- und welches die Tiefpunkte deiner langen Zeit im SCZ, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Einer der Höhepunkte war sicherlich meine Juniorenzeit. Wir hatten durchwegs hervorragende Mannschaften die immer um den Aufstieg mitspielen konnten. Die Derbys gegen den FC Seefeld stellten dann immer den Saisonhöhepunkt dar. Da ging es um mehr als nur um Punkte. Ebenso unvergessen bleibt die Zeit mit der 5.-Liga-Mannschaft unter Trainer Valerio Boschet: Eine Mannschaft mit unglaublichem Teamgeist und auch fussballerischem Talent, die ja dann auch den lang ersehnten Aufstieg in die 4. Liga schaffte. Der Tiefpunkt war ganz klar der Abstieg aus der 3. Liga, als wir im Entscheidungsspiel kurz vor Schluss den Gegentreffer hinnehmen mussten. Da brauchte ich lange, bis ich das verarbeitet hatte.

In den vergangenen Jahren hast du im SCZ als Seniorentrainer gewirkt. In deinen Dribbling-Berichten war aber je länger desto öfter vor allem zu lesen, wie schwierig es sei, an den Freitagabenden wenigstens elf Spieler für die Meisterschafsspiele zu motivieren. Nun gibt es seit anderthalb Jahren keine Senioren- und auch keine Veteranen mehr. Wie traurig stimmt dich diese Entwicklung, und kannst du Hoffnung auf baldige Besserung ausmachen?

Tja, das ganze stimmt mich sehr traurig. Aber leider haben wir derzeit definitiv zu wenig Spieler im Seniorenalter welche körperlich und mental in der Lage sind eine Saison anständig und seriös zu absolvieren. Dies dürfte sich kurzfristig auch nicht ändern, aber es würde mich natürlich persönlich sehr freuen, in ferner Zukunft wieder ein Senioren- und/oder Veteranenteam auf dem Riet am Werk zu sehen.

Seit es keine Senioren mehr gibt, trittst du – abgesehen von deinen Fanaktivitäten – nur noch als Organisator des traditionellen Bettags-Apéros im Zolliker Wald in Erscheinung. Wie kam es eigentlich zu dieser Tradition?

Diese Tradition geht weit zurück. Da war ich selber noch nicht mal in Planung (lacht). Als der Anlass vor ein paar Jahren aber plötzlich fast untergegangen wäre, entschied ich mich die Organisation zu übernehmen, damit der Bettags-Apéro weiter am Leben bleibt. Es würde mich sehr freuen, wenn wir im kommenden September auch vermehrt Spieler der 2. und 3. Mannschaft sowie die A-Junioren im „Chüele Grund“ begrüssen düften.

Und zu guter Letzt: Die wenigsten nennen dich – bei deinem richtigen Namen – Marco. Auf dem Riet bist du als Carlos viel bekannter. Weshalb eigentlich?

Das ist eine lustige, aber lange zurückliegende Geschichte. Sagen wir es mal so: Jemand der sich wegen zu heftigen Bierkonsums den Namen Marco nicht merken konnte machte einfach mal Carlos draus. Und da sich fast alle darüber amüsierten, blieb das ganze bis heute so.

 

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Steckbrief

* Geburtsdatum: 13.01.1974

* Beruf: Kaufm. Angestellter, Investment Management

* Spitzname: Carlos

* Bevorzugte Spielfeldposition früher als Spieler: Mittelfeld rechts

* Lieblingsverein: GCZ, Schalke 04 und SC Zollikon

* Vorbild (als Spieler): Marco Van Basten

* Der perfekte Spieler… stellt seine persönlichen Interessen immer in den Hintergrund

* Bisherige Vereine: SC Zollikon

* Mein aktueller Lieblingsspieler im SCZ: da gibt’s einige, ich sage aber mal Andrea Schärer

* Mein liebster SCZ-Spieler aller Zeiten: Dominique Häubi

* Mit ihm/ihr schaue ich am liebsten den SCZ-Spielen zu: allen die den SCZ lieben

* Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 1. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: Rang 2

* Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 2. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: obere Tabellenhälfte

* Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 3. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: im Tabellenmittelfeld

* Da steht der SCZ in fünf Jahren: mit der 1. Mannschaft in der 2. Liga regional und auf jeder Juniorenstufe mit einem Team in der Promotionsklasse

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Die Mittwochsserie „7 Fragen an…“ geht wegen Ferienabsenz des Interviewers in eine verfrühte Winterpause. 2013 startet die Serie neu. Alle bisherigen Interviews können auf dieser Seite abgerufen werden: Interviews April bis September 2012.