„Wie in einem Orchester: Bei uns kann jeder Beethoven spielen“

7 Fragen an… Alain Merkli.
Der 34-jährige Trainer der 1. Mannschaft blickt zurück auf die vergangene Saison 2011/12 und betont, wie wichtig gute Stimmung für den Erfolg ist. Er nennt das Ziel für die vor kurzem angelaufene Saison – und er erklärt, weshalb ihn sein Team manchmal an ein Orchester erinnert.

 

Mit Alain Merkli sprach Dennis Bühler

Sprechen wir zuerst über die vergangene Saison, die erste 3.-Liga-Saison nach 18 Jahren in den Niederungen der zwei tiefsten Spielklassen. Alain Merkli, wie zufrieden bist du mit den Leistungen der 1. Mannschaft?

 „Ich bin sehr zufrieden. Die Ausgangslage zu Beginn der vergangenen Saison war für alle schwierig: Das Kader war gross, neu durften wir nur noch drei Mal auswechseln. Dennoch gab es sehr wenig Unstimmigkeiten. Keiner ist davon gelaufen, alle wollten Teil der 1. Mannschaft bleiben, auch wenn sie zu wenigen Einsätzen in der Meisterschaft gekommen sind. Das alleine ist ein grosser Erfolg.“

Gute Stimmung ist erfolgsabhängig. Seit du zusammen mit Nicolas Fürer vor zwei Jahren das Traineramt des „Eis“ übernommen hast, gab es kaum Rückschläge: Im ersten Jahr seid ihr in die 3. Liga aufgestiegen, in der zweiten Saison war rasch absehbar, dass der Klassenerhalt nicht gefährdet sein würde. Am Ende habt ihr euch auf dem hervorragenden dritten Tabellenrang klassiert. So ist die gute Stimmung doch ein Selbstläufer.

„Natürlich ist es einfacher, die Stimmung hochzuhalten, wenn man gewinnt. Die gute Stimmung hat bei uns aber nicht erst nach den Erfolgen Einzug gehalten – sie stand vielmehr am Anfang unseres Aufschwungs. Als wir das Traineramt übernahmen, verwendeten Nicolas und ich sehr viel Energie darauf, eine eigentliche Stimmungsmaschinerie in Gang zu setzen. Die zweite Mannschaft um Trainer Ben Crawshaw war dann massgeblich daran beteiligt, dass die Stimmung rasch so gut war und den ganzen Verein erfasste. Auch in Zukunft wird gute Stimmung grundlegend sein für weitere Verbesserungen. Wir haben es vor ein paar Wochen bei unserer Teamansprache zu Beginn unserer Trainingseinheiten nach der Sommerpause angesprochen: Zum Ende der vergangenen Saison hat die Stimmung ein bisschen nachgelassen – und genau da müssen wir ansetzen: Auch wenn einmal zwei, drei Spiele nicht nach Wunsch laufen, müssen wir positive Energie ausstrahlen und das Spielfeld immer mit breiter Brust betreten.“

Der 3. Platz am Ende der vergangenen Saison war sicherlich viel mehr, als man von einem Aufsteiger erwarten kann. Warst du von deiner Mannschaft auch hin und wieder überrascht?

„Ich war nicht überrascht von den Resultaten und auch nicht vom Schlussrang. Abgesehen von ganz wenigen Spielen traute ich meiner Mannschaft jeweils auch in der Schlussphase noch den Sieg zu, auch wenn wir zurücklagen. Der dritte Rang war ein hochgestecktes Ziel, aber wir sind an dieser Zielsetzung gewachsen. Die Vorzeichen waren gut, die Qualität stimmte, alle haben mitgezogen – ich wäre eher überrascht gewesen, hätten wir unser Ziel verpasst. Überraschung stellt sich höchstens ein, wenn ich nun auf die vergangenen zwei Jahre zurückblicke, auf diese grosse Entwicklung, die die Mannschaft und jeder einzelne Spieler hinter sich haben. Im Tagesgeschäft fehlt einem ja oft der Blick fürs grosse Ganze.“

Welches sind die grössten Stärken dieser Mannschaft?

„Auf mentaler Ebene ist es die Freundschaft, man kann fast von einer Bruderschaft sprechen. Der SCZ hat in dieser Hinsicht vielen Vereinen etwas voraus. Wir sind nicht einfach eine Fussballmannschaft, in der die ersten Elf spielen und die restlichen Spieler Lückenfüller sind. Wir sind – ich habe es schon im Dribbling-Interview im Winter gesagt – ein Unternehmen, in dem jeder seine Aufgaben hat. Nur gemeinsam funktionieren wir. Taktisch ist es unsere Stärke, dass wir verschiedene Spielsysteme anwenden können, dass das Spielverständnis der einzelnen Spieler wie auch der Mannschaft als Ganzes sehr ausgeprägt ist. Hier vergleiche ich uns mit einem Orchester: Die Spieler können ein Stück umsetzen wie es die Trainer vorgesehen haben. Es kommt nicht einer, und spielt eine Sonate von Beethoven, als ob sie von Chopin wäre, und ein anderer, als wäre sie von Mozart. Technisch beeindruckt mich unsere Ballsicherheit.“

19 Punkte in der Vorrunde, 19 Punkte in der Rückrunde – das deutet auf Kontinuität hin. Dennoch, scheint mir, waren die Leistungen im Herbst 2011 besser als im vergangenen Frühling. Wie fällt dein Vergleich der beiden Saisonhälften aus?

„Wir haben in der Rückrunde mehr Gegentore kassiert, wir hatten mehr Abnützung in den Beinen. Wir mussten auch mehr verletzungsbedingte Ausfälle hinnehmen, unter anderem mussten wir lange auf unser Herzstück im Zentrum verzichten, Alessandro und Matteo Felder. Die Rückrunde war nicht einfach. Trotzdem aber haben wir uns gut geschlagen. Gegen den FC Küsnacht beispielsweise haben wir auswärts eine ausgezeichnete Leistung gezeigt. Auch wenn wir nach einem Abnützungskampf knapp verloren, war dies eine unserer besten Darbietungen. Gegen Ende der vergangenen Saison haben wir die gute Stimmung leider ein wenig eingebüsst. Es war eine lange, harte Saison, die an allen gezehrt hat. Und die kommende Spielzeit wird noch intensiver: Wir spielen gegen einen zusätzlichen Gegner, wir haben mehr Spieler im Kader, der Konkurrenzkampf wird heftiger. In der nächsten Saison werden wir einen enorm langen Atem brauchen.“

Eine Fussballweisheit besagt ja ohnehin, dass die zweite Saison nach einem Aufstieg schwieriger wird als die erste, weil die Euphorie des Aufstiegs fehlt. Wird das auch auf euch zukommen?

„Der Weg wird länger, wir werden noch mehr investieren müssen, um erfolgreich zu bleiben. Aber wenn wir so fokussiert weiter arbeiten wie bisher, werden wir weiterhin Fortschritte erzielen. Und diese werden sich auch in der Tabelle niederschlagen.“

Als Aufsteiger lautete die Zielsetzung in der vergangenen Saison, die Klasse zu halten. Die Mannschaft wurde Dritter. Welches Ziel setzt ihr euch in der kommenden Spielzeit?

„Wenn wir uns zu stark auf einen konkreten Tabellenrang fokussieren, laufen wir Gefahr, uns zu verkrampfen, falls dieses Ziel plötzlich ins Wanken gerät. Dann bringen wir den sauberen Pass nicht mehr hin, bleiben nach einem Abspiel stehen, dann funktionieren auf einmal die einfachen Automatismen nicht mehr. Wir müssen am unsichtbaren Erfolg arbeiten, wir müssen die Grundlagen in jedem Spiel sauber und souverän bewältigen. Zuerst müssen wir ein gutes Wurzelwerk schaffen, dann können wir schauen, welche Früchte wir Ende Saison ernten können. Ein Baum, der auf gutem Boden wächst, trägt selten schlechte Früchte – und doch kann es mal ein faules Ei dabei haben. Unsere Zielformulierung ist, am unsichtbaren Erfolg zu arbeiten, immer besser und besser zu werden. Wenn wir unser gegen aussen unsichtbares Ziel erreichen, ist es mit Sicherheit so: Wir greifen die Tabellenspitze an.“

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Dieses Interview ist ein Ausschnitt des ausführlichen Gesprächs mit Alain Merkli und Werner Kienle, das vor der Saison geführt wurde und im Dribbling erscheint. Das SCZ-Vereinsheft wird in diesen Tagen an alle Mitglieder ausgeliefert.