„Wie mein Vater werde auch ich den SCZ unterstützen – nur leiser“

7 Fragen an… Yves Rämi.
Der 24-jährige Mittelfeldspieler war am vergangenen Sonntag der beste Zolliker beim Startsieg gegen den FC Meilen – trotz Eigentor und Platzverweis. Trotz seines jungen Alters ist der Ältere der beiden Rämi-Brüder schon seit acht Jahren Nachwuchstrainer. Seit Anfang August betreut er die Zolliker A-Junioren. Dafür hätte er eigentlich gar keine Zeit, wie er im Interview sagt. „Aber ich kann es einfach nicht lassen. So bin ich halt.“

 

Mit Yves Rämi sprach Dennis Bühler

Am vergangenen Sonntag habt ihr euer erstes Saisonspiel gegen den FC Meilen nach einem 0:1-Rückstand noch gedreht und knapp 2:1 gewonnen. Wie schwer fiel euch dieser Sieg? 

Wie man am Resultat sieht, war es ein extrem schweres Spiel. Nicht zu unterschätzen ist aber die Tatsache, dass es das erste Saisonspiel war. Das Spiel war extrem hart umkämpft, zum Glück mit dem besseren Ende für uns. Wichtig für unsere Moral war vor allem, dass wir dieses Spiel in den Schlussminuten noch zu unseren Gunsten wenden konnten.

Du hast im Spiel gegen Meilen eine spezielle Rolle gespielt: Zuerst hast du ein Eigentor erzielt, dann wurdest du wegen Reklamierens mit einer gelb-roten Karte vom Platz gestellt. Trotz dieser zwei negativen Aktionen warst du einer der besten Spieler und hast im Mittelfeld unzählige Bälle erobert. Wie hast du selbst dieses Spiel erlebt und wie bist du mit deiner Leistung zufrieden?

Für mich war es ein sehr unglückliches Spiel mit zwei unnötigen Szenen. Beim Eigengoal habe ich den Ball unterschätzt und somit aufs eigene Goal abgelenkt. In dieser Szene hätten wir uns besser absprechen müssen – mein Mitspieler Nicolas Girod war besser platziert und hätte den Ball ohne Probleme befreien können. Die gelb-rote Karte ärgert mich extrem, da ich in der Schlussminute keinen Grund mehr gehabt hätte zu reklamieren. Aber es war eine sehr hektische Schlussphase und ich hatte für einen Moment meine erste gelbe Karte vergessen, die ich zehn Minuten zuvor für ein Foul erhalten hatte. Im Grossen und Ganzen bin ich mit meiner Leistung zufrieden, aber ich muss noch viel und hart arbeiten.

Das zweite Jahr in der 3. Liga werde schwerer für euch, hast du in der Saisonvorschau gesagt. Dies, weil euch jetzt die Aufstiegseuphorie fehle. Nach Meilen trefft ihr am kommenden Sonntag mit dem FC Fällanden erneut auf einen Aufsteiger. Sind solche Spiele, in denen ihr der Favorit seid, für euch besonders schwer?

Das Spiel gegen den FC Fällanden wird auf jeden Fall kein normales Spiel – da spielt es gar keine Rolle, wer Favorit ist. Die Fällandner Spieler haben mit uns noch eine Rechnung offen, da wir vor einem Jahr vor ihnen aufgestiegen sind. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir den FC Fällanden diese Rechnung nicht begleichen lassen. Nur schade kann ich in diesem Spiel wegen meiner gelb-roten Karte nicht dabei sein.

In der Saisonvorschau hast du ebenfalls gesagt, in der zurückliegenden Vorbereitung habe die Freude am Fussball gefehlt. Weshalb ist dies so und wie könnt ihr die Freude wieder zurück gewinnen?

In der Vorbereitung hatten wir meiner Meinung nach zu wenig Trainingseinheiten, in denen wir alle Freude am Fussball hatten. Es lag nicht an den Trainern, sondern an jedem Spieler selbst sich motivieren zu können. Vielleicht hatten wir noch schwere Beine von einer langen und harten ersten 3.-Liga-Saison. Aber in der Woche vor dem Saisonbeginn ging ein riesiger Schub durch unser Team und wir freuten uns alle auf das erste Spiel. Wahrscheinlich hatten uns die Ernstkämpfe gefehlt. Am Sonntag konnte man sehen, dass wir ein Team sind und alle für einander gehen wollen. Genau das braucht es für eine erfolgreiche Saison.

Seit einigen Wochen bist du auch als Trainer der A-Junioren aktiv. Du trainierst Spieler, die nur wenige Jahre jünger sind als du. Ist dies eine Schwierigkeit oder vereinfacht dies deine Aufgabe? Und was hat beim ersten Saisonspiel nach dem Aufstieg in die Promotionsklasse am vergangenen Sonntag zum Sieg gefehlt?

Ich denke, es ist eher von Vorteil, da ich genau weiss was die A-Junioren wollen. Ich bin ein sehr offener Trainer und versuche es allen Recht zu machen, aber die Junioren wissen, dass ich als Trainer nicht immer der Kumpel sein kann. Ich muss als Coach die richtige Basis zwischen Kumpel und Trainer finden. Es bereitet enormen Spass diese motivierte Truppe zu trainieren. Am vergangenen Sonntag verloren wir leider knapp 1:2 und konnten keine Punkte aus Stäfa mit nach Hause nehmen. Da ich gleichzeitig selbst ein Spiel mit der ersten Mannschaft hatte, kann ich dazu nur antworten, was ich von meinem Trainerkollegen Mirsad Kadic gehört habe. Er sagte mir, dass das Spiel sehr eng umkämpft war und wir auch als Sieger vom Platz hätten gehen können. Es habe an der Präzision und der letzten Entschlossenheit vor dem Tor gefehlt.

Nachdem die A-Junioren im November 2010 in die Promotionsklasse aufgestiegen waren, stiegen sie im Frühling 2011 gleich wieder ab. Droht euch jetzt nach dem Aufstieg das gleiche Schicksal, oder als wie realistisch beurteilst du eure Chancen auf den Klassenerhalt?

Ich bin überzeugt und werde alles daran setzen, dass wir uns in der Promotionsklasse halten können. Wir haben ein extrem gutes und breites Kader, das über das Potenzial verfügt um in der Promotion zu bestehen. Wenn das ganze Team weiter so hart arbeitet wie in der Vorbereitung, dann bin ich mir sicher, dass wir nicht wie in der Vorsaison gleich wieder in die 1. Stärkeklasse absteigen werden.

Dein Vater hat jahrelang für den SCZ gespielt und ist als lautstarker Zuschauer noch immer bei fast jedem Spiel der 1. Mannschaft an der Seitenlinie, deine Mutter war jahrelang im Vereinsvorstand und ist das erste weibliche Ehrenmitglied, dein Bruder spielt mit dir als Torhüter in demselben Team. Die Familie Rämi ist die SCZ-Familie schlechthin. Hast du deine Liebe für den SCZ in die Wiege gelegt bekommen?

Wenn man sieht, wie lange ich schon beim SCZ bin, kann man dies sicherlich so sagen. Ich denke, ich werde den SCZ auch so lange unterstützen wie mein Vater – einfach nicht so lautstark. „La Familia“ ist für mich zu einer zweiten Familie geworden. Im Moment hätte ich eigentlich gar keine Zeit, um selbst Fussball zu spielen und auch noch Trainer der A-Junioren zu sein, aber ich kann es einfach nicht lassen. So bin ich halt.

 

Steckbrief

* Geburtsdatum: 27. März 1988

* Beruf: Sanitärmonteur

* Bevorzugte Spielfeldposition: Zentrales Mittelfeld

* Lieblingsverein: SCZ, Arsenal, FCZ

* Vorbild (als Spieler): Xavi

* Vorbild (als Trainer): Lucien Favre

* Der perfekte Spieler… stellt sich nicht in den Mittelpunkt

* Bisherige Vereine: SCZ

* Trainer seit: 2004

* Auf diesem Tabellenrang klassiert sich die 1. Mannschaft des SCZ zum Ende dieser Saison: 2. Platz

* Auf diesem Tabellenrang klassieren sich die A-Junioren des SCZ zum Ende dieser Saison: 5. Platz

* Da steht der SCZ in fünf Jahren: mit jeder Mannschaft eine Liga weiter oben