„Die 2. Mannschaft beginnt, eine neue Geschichte zu schreiben“

7 Fragen an… Ben Crawshaw.
Der 27-jährige gebürtige Engländer hat mit der 2. Mannschaft im Juni den Aufstieg in die 4. Liga geschafft. Im Interview blickt er zurück auf die vergangenen drei Jahre, setzt seinem Team ein hohes Ziel für die kommende Saison und erklärt, weshalb er so gerne Trainer dieser Mannschaft ist. „Meine Spieler sind für mich zu einer Familie geworden“, sagt er. „Ich gehe mit ihnen durch dick und dünn.“

Mit Ben Crawshaw sprach Dennis Bühler


Ben Crawshaw, du bist seit drei Jahren Trainer der 2. Mannschaft. In der vergangenen Saison hat es endlich mit dem schon zuvor angestrebten Aufstieg in die 4. Liga geklappt. Was lief in der letzten Saison besser als in den beiden Spielzeiten zuvor?

Ganz ehrlich: In jeder der vergangenen drei Saisons war mein Team die beste Mannschaft der Gruppe. Im ersten Jahr hatten wir ein wenig Pech, weil die zweite Mannschaft des FC Mönchaltorf im entscheidenden Duell auf Spieler der ersten Mannschaft zurückgriff und uns so um den Aufstieg brachte. Im zweiten Jahr scheiterten wir an uns selbst. Die Disziplin war mangelhaft, dementsprechend viele Strafpunkte erhielten wir. Jetzt, im dritten Jahr, haben wir uns den Aufstieg mit harter Arbeit redlich verdient. Jeder Spieler hat in jeder Saison noch einen Zacken zugelegt. Unsere Disziplin und Erfahrung, wie wir uns in verschiedenen schwierigen Situationen zu verhalten haben, hat uns im Aufstiegsrennen sehr geholfen.

Bitte ziehe eine Bilanz: Wie zufrieden bist du mit der Saison 2011/12?

Unser grösstes Ziel, den Aufstieg in die 4. Liga, haben wir erreicht. Das Kader ist breiter geworden und meine Spieler waren das ganze Jahr über sehr motiviert. Sicherlich gab es auch einige negative Punkte, doch diese gehören wohl einfach dazu und aus diesen Situationen habe auch ich als Trainer viel dazulernen können. Als Perfektionist bin ich nie zu hundert Prozent zufrieden, aber es ist schon so: Ich darf glücklich sein und auch ein wenig stolz auf meine Jungs.

Mit dem FC Glattbrugg lieferte sich die 2. Mannschaft in der letzten Saison ein lange währendes Duell, das in der direkten Begegnung Anfang Juni seinen Höhepunkt fand. Deine Mannschaft gewann auswärts 3:1. Worin siehst du die Gründe für diesen Erfolg im entscheidenden Spiel?

Wir bewiesen einen grossen Teamgeist, gingen sehr gut vorbereitet auf das Spielfeld und zeigten sehr viel Kampfgeist. Und wir agierten sehr diszipliniert. Dieses Spiel wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Das Kader der 2. Mannschaft ist sehr heterogen: Es gibt Spieler, die sehr motiviert sind, solche, die nur ab und zu ins Training kommen. Es gibt Spieler, die früher in höheren Ligen gespielt haben, es gibt solche, die erst vor kurzem mit Vereinsfussball begonnen haben. Weshalb bist du gerne Trainer dieses Teams?

Meine Mannschaft ist für mich wie zu einer Familie geworden. Es ist für mich nicht nur ein Hobby, Trainer zu sein, es ist eine Leidenschaft. Es ist für mich zu einem Lebensziel geworden, mit meinen Jungs Spass zu haben und Erfolge zu feiern und mit ihnen durch dick und dünn zu gehen. Wenn ich sehe, wie sich die einzelnen Spieler gesteigert haben, wenn ich sehe, wie Freundschaften entstehen und die Spieler in jedem Training mit Freude bei der Sache sind, gibt mir dies sehr viel zurück. Dass es in dieser Mannschaft viele verschiedene Charaktere mit unterschiedlicher Herkunft und Vergangenheit hat, macht die ganze Sache nur noch spannender.

In der kommenden Saison wechselt die Rolle deiner Mannschaft: Sie ist nicht mehr in jedem Spiel der Favorit, sondern als Aufsteiger in der 4. Liga der Aussenseiter. Wie lautet dein Saisonziel?

Mein Ziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen und am Schluss der Saison mehr Punkte auf dem Konto zu haben als alle anderen Vereine unserer Gruppe. Ich verlange in jedem Spiel drei Punkte von meinen Spielern.

Der SCZ hat auf die neue Saison hin eine 3. Mannschaft gegründet. Begrüsst du diese Entscheidung?

Auf jeden Fall. Unsere SCZ-Familie wird in jedem Jahr grösser. Ich glaube, die Gründung der dritten Mannschaft ermöglicht mehr Aktivspielern, glücklich zu sein, weil sie häufiger zum Zug kommen werden. Auch hoffe ich, dass ehemalige Spieler zum SCZ zurückkehren, denen der Aufwand für die 3. oder 4. Liga zu gross wäre. In der 5. Liga haben sie nun die Möglichkeit, Fussball zu spielen – und auch dort nicht ohne Ambitionen.

Zum Schluss: Die Saison 2011/12 war für dich beinahe perfekt – mit dem SCZ bist du aufgestiegen, dein Lieblingsteam Manchester City ist zum ersten Mal seit 1968 (!) englischer Meister geworden. Kann dein Leben überhaupt noch besser werden?

Es war in der Tat eine schöne und unvergessliche Saison. Was Manchester City anbelangt, möchte ich nur zwei Dinge sagen: „Living the dream“ und „this is how it feels to be city“. Was den SCZ betrifft, möchte ich nun eigentlich gar nicht mehr allzu viele Worte verlieren über den Erfolg der vergangenen Saison. Der ist nun Geschichte, und ich habe nur noch eines im Kopf: die Zukunft! Meine Mannschaft hat das Buch mit dem Titel „5. Liga“ zu Ende geschrieben. Nun beginnen wir, eine neue Geschichte zu schreiben.

 

Ben Crawshaw

* Funktion im Verein: Trainer 2. Mannschaft, Schiedsrichter

* Geburtsdatum: 22. Mai 1985

* Nationalität: Mancunian Schweizer

* Bevorzugte Position früher als Spieler: Verteidiger

* Beruf: Trainer

* Bisherige Vereine: SCZ

* Im SCZ seit: 1991

* Lieblingsteam: MCFC & SCZ

* Lieblingsspieler: Yaya Touré, Mario Balotelli und alle Spieler, die ich je trainiert habe (mit einer Ausnahme: Fabian von Rechenberg)