Der Aufstieg der 2. Mannschaft: ein Erfolg des starken Kollektivs

Vom Angsthasen, der Schnecke, Feuerwerk und Champagner: die Geschichte des Sieges in Glattbrugg und des Aufstiegs der 2. Mannschaft in die 4. Liga.

Von Dennis Bühler

Ungewohnt früh versammelte Trainer Ben Crawshaw seine Spieler vor der alles entscheidenden Partie auf dem Sportplatz Riet. Jeder wusste um die Bedeutung des Duells mit dem FC Glattbrugg: Mit einem Sieg würde sich die 2. Mannschaft den Aufstieg in die 4. Liga sichern können. Verlöre er, lägen alle Vorteile auf Seiten der Zürcher Unterländer. Gestärkt durch die von Köchin Wendy Winkler zur Verfügung gestellte Spaghettizufuhr und motiviert durch eine flammende Ansprache Crawshaws machten sich die Zolliker alsbald auf in Richtung Glattbrugg. Doch nicht, ohne zuvor die Angst symbolisch zu Hause gelassen zu haben: der Angsthase aus Plüsch durfte nicht mitreisen.

In seiner Rede hatte Crawshaw die Devise vorgegeben: Wie die Schnecken sollten die Zolliker ihre Gegner überlisten. Der Trainer meinte damit indes nicht, dass die Gegner durch Langsamkeit eingeschläfert oder gar eingeschleimt werden sollten. Vielmehr wies er seine Spieler an, auch bei unbefriedigendem Spielstand die Ruhe zu bewahren. Kreativität entstehe, wenn man überlegt agiere, sagte Crawshaw. Und gab seinen Spielern als Merksatz mit: „Nichts ist unmöglich, wenn das Herz willig ist.“

Perfekte Spielleitung des Schiedsrichters

Unterstützt von dutzenden aus Zollikon angereisten Zuschauern startete der SCZ engagiert in die Partie. Rolf Oberhänsli kam nach einem schönen Zuspiel von der Seite zur ersten Gelegenheit, erreichte den Ball jedoch knapp nicht. Nach einer Viertelstunde eröffnete Christopher Musa Muhammed das Score zugunsten der Gäste. Der Flügelspieler aus dem Niger, der erst seit einigen Monaten das Zolliker Trikot trägt, überwand den gegnerischen Torhüter mit einem scharf getretenen Flachschuss. Nach einer guten halben Stunde erhöhte Oberhänsli auf 2:0. Wie Musa Muhammed traf er mit einem Distanzschuss ins untere linke Eck.

Die Partie wurde nun immer gehässiger. Die Glattbrugger wehrten sich mit teilweise unfairen Mitteln gegen die Zolliker, die ihnen technisch und spielerisch überlegen waren. Umso wichtiger war es, dass das Spiel von Schiedsrichter Uke Lushaj perfekt geleitet wurde. Der erfahrene Unparteiische aus Siebnen beruhigte das Geschehen immer wieder, er bestand darauf, dass sich Streithähne die Hand gaben, er pfiff streng, aber nicht kleinlich. Er hatte die Partie trotz ihrer Brisanz stets im Griff, ohne sich mit gelben oder gar roten Karten Akzeptanz verschaffen zu müssen.

Spruchbänder, Feuerwerk und Champagner

Gegen Ende der ersten Halbzeit kam der FC Glattbrugg zu seinen ersten guten Chancen. Entweder aber liessen seine Spieler sie überstürzt aus, oder Zolliker Verteidiger konnten den Ball im letzten Moment klären. Mit der beruhigenden, aber noch keineswegs spielentscheidenden Zwei-Tore-Führung wurden die Seiten gewechselt. Kurz nach der Pause setzte Kevin Spalinger zu einem Solo an, das er mit einem für den Goalie unhaltbaren Schuss ins Lattenkreuz herrlich vollendete.

In der Folge zogen sich die Zolliker unverständlicherweise zurück, anstatt den vierten Treffer und den damit verbundenen endgültigen K.o. der Glattbrugger anzustreben. Die Gastgeber übernahmen das Spieldiktat, die Zolliker schossen den Ball meist nur noch unkontrolliert nach vorne. Der erste Treffer der Glattbrugger mit einem unhaltbaren Schuss aus der zweiten Reihe zwanzig Minuten vor dem Spielende war die logische Konsequenz.

Glattbrugg kam auch danach zu vielen guten Torchancen, der Zolliker Goalie Murat Saliji aber bewahrte seinem Team mit zahlreichen mirakulösen Paraden den Zweitore-Vorsprung. Und als Saliji einmal geschlagen schien, rettete der Aussenpfosten. Schliesslich überstand der SCZ auch den letzten Ansturm Glattbruggs schadlos. Der Jubel nach dem Schlusspfiff war gross, die zur Halbzeit dazugestossenen Spieler der 1. Mannschaft feierten mit Spruchbändern und Feuerwerk, die Zwei-Spieler duschten ihren Trainer Ben Crawshaw mit Champagner.

Die Defensive um Goalie Saliji: ein Bollwerk

Am Sieg in der Finalissima lässt sich aufzeigen, was während der ganzen Saison das Erfolgsrezept der 2. Mannschaft des SCZ war: die starke mannschaftliche Geschlossenheit.

Als Kollektiv überzeugte das gesamte Team. Unterlief einem Spieler ein Fehler, war ein anderer zur Stelle, um zu helfen und korrigierend einzugreifen.

Murat Saliji, eigentlich Mitglied der ersten Mannschaft, im entscheidenden Spiel aber für das „Zwei“ zwischen den Pfosten, hatte keinerlei Eingewöhnungsschwierigkeiten. Dem Goalie gelang eine hervorragende Leistung. Die Defensive hielt fast allen Angriffen der Glattbrugger stand. Obwohl Captain René Kaiser fehlte, der normalerweise für die Organisation der Zolliker Abwehr zuständig ist, war die defensive Ordnung zumeist perfekt. Jakub Vanek und Dennis Bühler, die neben Saliji als einzige die gesamte Partie bestritten, agierten mit der nötigen Ruhe, obwohl sie erstmals überhaupt miteinander auf dem Platz standen. Vanek hatte vom Spätherbst bis April nicht mit dem Team trainieren können, da er beruflich in St. Moritz weilte. Und Bühler bestritt gegen Glattbrugg seinen ersten Ernstkampf nach zweijährigem Unterbruch mit Auslandsaufenthalt und Verletzungspause.

Die als Aussenverteidiger eingesetzten Fabian von Rechenberg, Florian Rohrer, Severin Winkler und Daniel Bruderer verhinderten Vorstösse der Glattbrugger über die Flanken und waren hie und da gar für gefährliche Zolliker Vorstösse verantwortlich. Auch ihnen gelang ein vorzügliches Spiel.

Die Offensive: Kreativität gepaart mit Zweikampfstärke

Im Mittelfeld zogen Ismail Seven und Kevin Spalinger die Fäden. Ersterer brillierte mit seiner Zweikampfstärke und liess sich selbst durch zahlreiche versteckte Foulspiele der Gastgeber nur ganz kurz aus dem Konzept bringen. Und Spalinger verteilte die Bälle, verlagerte das Spiel oftmals geschickt, er bestimmte Rhythmus und Angriffe der Zolliker – und mit dem herrlichen 3:0 erzielte er das schönste Tor des Tages.

Chris Musa Muhammed und Ruben Fernandes hielten die Bälle auf den Flügeln geschickt, sie waren zumeist nur durch Foulspiele vom Ball zu trennen. Mit schönen Flanken setzten sie ihre Mitspieler im Angriff oft schön ein. Die eingewechselten Luis Salinas und Maroin Lahyani standen ihnen in nichts nach. Auch sie stellten ihre Gegenspieler durch clevere Tempowechsel immer wieder vor Probleme.

Auch im Sturm überzeugten alle vier eingesetzten Spieler. Rolf Oberhänsli und Michael Kuhn, die von Beginn an eingesetzt wurden, erarbeiteten sich immer wieder gute Chancen, sie störten aber auch die Angriffsbemühungen der Glattbrugger oftmals schon auf Höhe der Mittellinie. Matthias Stettler und Cedric Hofstetter, die im Verlauf der zweiten Halbzeit eingewechselt wurden, hatten das Pech, dass sich der SCZ da schon zurückgezogen hatte, weshalb sie wenig Unterstützung durch die hinteren Mannschaftsteile erhielten. Dennoch kamen sie zu einigen Gelegenheiten und halfen durch ihren grossen Einsatz mit, den Zolliker Sieg über die Zeit zu retten.

Der Trainer: richtige Einstellung vermittelt

In Ben Crawshaw schliesslich hatte die 2. Mannschaft einen Trainer, der sie perfekt auf dieses alles entscheidende Spiel eingestellt hatte. Nicht nur hatte der Engländer die richtigen personellen Entscheidungen getroffen, auch schaffte er es, dass jeder Spieler fokussiert auf seine Aufgaben war und konzentriert zu Werke ging. Es gelang ihm, eine Stimmung zu kreieren, in der sich die Mannschaft der hohen Bedeutung dieses Spieles gewahr war, ohne deswegen vor Nervosität in Starre zu verfallen.

Dies war letztlich wohl auch das Verdienst des Angsthasen, der die Spieler nach der triumphalen Rückkehr auf dem Riet willkommen hiess – nur, um dann in Brand gesteckt zu werden. Denn Angst kann der SCZ auch in der kommenden 4.-Liga-Saison nicht gebrauchen.

Telegramm

FC Glattbrugg II – SC Zollikon II 1:3 (0:2). Sportplatz Au, 120 Zuschauer. SR: Lushaj.

Tore: 15. Musa Muhammed 0:1. 30. Oberhänsli 0:2. 49. Spalinger 0:3. 72. 1:3.

Startaufstellung SCZ: Murat Saliji; Fabian von Rechenberg, Jakub Vanek, Dennis Bühler, Florian Rohrer; Ruben Fernandes, Kevin Spalinger, Ismail Seven, Christopher Musa Muhammed; Michael Kuhn, Rolf Oberhänsli.

Im Verlauf der Partie eingewechselt oder im Aufgebot: Daniel Bruderer, Cedric Hofstetter, Maroin Lahyani, Guy Rämi, Luis Salinas, Matthias Stettler, Severin Winkler.