„Ich weiss nun besser zu schätzen, was ich am SC Zollikon habe“

7 Fragen an… Sandro Camichel.
Der 21-jährige Architekturstudent spielt nach einem dreijährigen Abstecher zum FC Seefeld seit bald zwei Jahren wieder beim SCZ. Im Interview erklärt der Flügelspieler der 1. Mannschaft die Niederlage gegen den FC Küsnacht mit zu vielen Emotionen, sagt, dass er mit seiner eigenen Leistung noch nicht ganz zufrieden ist und erzählt, was ihm als Trainer der B-Junioren manchmal Schwierigkeiten bereitet.

Mit Sandro Camichel sprach Dennis Bühler

Am vergangenen Sonntag seid ihr im Seederby dem FC Küsnacht unglücklich 2:3 unterlegen. Wie erklärst du dir, ausgerechnet gegen den FCK in dieser Saison beide Spiele verloren zu haben?

In einem Derby gehen die Emotionen viel höher als in einem normalen Meisterschaftsspiel. Ich denke, dass dies der Hauptfaktor für unsere Niederlagen war. Wir hatten in beiden Spielen jeweils eine Phase, in der wir uns mehr mit dem Schiedsrichter oder dem Gegner befasst haben, als auf den Fussball und das Tore schiessen. Die nötige Professionalität und natürlich die Erfahrung fehlen in solch einem Spiel. Unsere junge Mannschaft muss wahrscheinlich noch einige solche Partien spielen, bevor diese emotional kontrolliert ablaufen können.

Der nächste Gegner, der FC Männedorf, liegt auf dem 2. Tabellenrang, hat den FC Küsnacht vor zehn Tagen 6:0 besiegt und dürfte folglich ein noch deutlich schwierigerer Gegner sein. In welchen Bereichen müsst ihr euch am kommenden Sonntag steigern, um nicht zum zweiten Mal in Folge zu verlieren?

Ich denke, dass das Resultat von Männedorf gegen Küsnacht uns nicht interessieren sollte. Ich bin mir sicher, dass nicht ganz dieselben Spieler auf dem Platz standen wie am letzten Sonntag. Wir müssen uns vor keiner Mannschaft in unserer Gruppe verstecken und wir werden unser gewohntes Spiel aufziehen. Es wird sicher ein spannender Match werden, aber ich hoffe, dass wir unsere Emotionen im Griff haben werden und die drei Punkte auf dem Riet behalten können. Männedorf ist eine körperlich starke Mannschaft, doch mit unserer Technik und Schnelligkeit werden wir sie bezwingen.

Noch sind bis zum Saisonende fünf Spiele zu bestreiten. Eigentlich geht es um nichts mehr – das Mindestziel Klassenerhalt ist locker erreicht worden, Tabellenführer Herrliberg ist schon zu weit enteilt. Wie motivierst du dich trotzdem?

Ich habe eigentlich nie ein Problem damit, mich für den Fussball zu motivieren. Jedes Spiel ist eine neue Herausforderung und der Siegeswille bleibt genauso hoch. Es ist aber wichtig, Ziele zu haben im Leben, darum haben wir uns intern den zweiten Tabellenrang zum Ziel gesetzt. Leider haben wir unsere Ausgangslage mit der Niederlage im Derby gegen Küsnacht verschlechtert, aber es ist definitiv noch immer ein realistisches Ziel.

Der SCZ verfügt über ein breites Kader, jeden Sonntag sitzen mehrere Spieler während 90 Minuten auf der Ersatzbank, andere schaffen es noch nicht mal ins Aufgebot. Auf der Position des Flügelspielers ist der Konkurrenzkampf besonders gross. Dennoch hast du dir einen Stammplatz erkämpft. Wie bist du mit deiner persönlichen Leistung in dieser Saison zufrieden?

Nicht ganz. Ich habe zum Beispiel noch kein Tor geschossen in dieser Rückrunde. Da kann man nicht zufrieden sein. Wenigstens habe ich schon zahlreiche Treffer vorbereitet. Ich wünsche mir oft, dass ich mehr Einfluss auf das Spiel haben könnte, aber das ist als Flügelspieler zum Teil recht schwierig. Der Konkurrenzkampf ist eine zusätzliche Motivation. Er fordert jeden Spieler noch mehr Leistung zu bringen. Trotzdem bleiben auch direkte Kontrahenten enorm freundschaftlich untereinander, was nicht selbstverständlich ist.

Der SCZ weist mit 49 erzielten Toren den drittbesten Offensivwert der Gruppe auf und mit 20 Gegentreffern den zweitbesten Defensivwert. Was macht aus deiner Sicht den Erfolg der Mannschaft aus?

Ich denke, dass unser Kampfgeist und unser Zusammenhalt mehr zu solchen Ergebnissen beigetragen haben als unsere spielerischen Fähigkeiten. Der Wille als Mannschaft zu siegen ist enorm, und auch unsere Trainer lehren uns niemals zufrieden zu sein. Wir wollen uns weiter entwickeln und zusammen noch viele Erfolge feiern. Wenn man sich den zweiten Saisonplatz als Ziel setzt, kann es in der darauf folgenden Saison nur ein Ziel geben.

Du hast deine Juniorenzeit beim SCZ verbracht, hast danach aber für drei Jahre zum FC Seefeld gewechselt. Was waren damals die Gründe, und weshalb hast du dich für die Rückkehr aufs Riet entschieden?

Als ich bei den Zolliker B-Junioren trainierte war mein Vater stets mein Trainer. Vor meinem Wechsel zum FC Seefeld war eigentlich er als Trainer dessen zweiter Mannschaft vorgesehen. Doch als diese dann den Aufstieg in die 2. Liga schaffte blieb der Trainer natürlich im Amt. Marko Dugandzic und ich entschieden uns dann aber doch, mit unserem damaligen Assistenztrainer Jürg Zeier zu Seefeld zu wechseln. Obwohl für die zweite Mannschaft vorgesehen, holte uns der Trainer der ersten Mannschaft nach kurzer Zeit in sein Kader. Im Gegensatz zu Marko konnte ich mich dort aber nie richtig durchsetzen. Ich pendelte also zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft hin und her.

Trotz meines Wechsels zu Seefeld ist stets Zollikon meine Heimat geblieben und es war für mich immer klar, dass ich zurückkommen würde. Trotzdem bereue ich nichts, denn es war eine wichtige Erfahrung für mich und ich weiss nun besser zu schätzen, was ich an diesem Verein habe.

Du bist seit diesem Jahr gemeinsam mit Alessandro Felder und Ivo Dugandzic Trainer der Zolliker B-Junioren. Wie erlebst du diese neue Situation?

Es war schon immer mein Wunsch Juniorentrainer zu werden. Leider war dies bis anhin zeitlich nicht möglich, und auch jetzt ist es manchmal ziemlich stressig. Die Freude den jungen Spielern etwas beizubringen und ihren Fortschritt zu beobachten entschädigt aber voll und ganz. Manchmal ist es schwierig mit dem relativ geringen Altersunterschied den Mittelweg zwischen Autorität und Kollegialität zu finden, aber auch das bekomme ich immer besser in den Griff.